Nehmen Sie sich vor Blendern in Acht!
Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, Ihr Team jetzt durch Leistungsträger zu stärken? Die Zeit hierfür ist hervorragend – schließlich können Sie aufgrund der aktuellen Wirtschaftssituation nicht nur leichter Top-Leute finden, sondern auch zu besonders guten Bedingungen. Allerdings dürfen Sie sich nicht von scheinbaren Spitzen-Bewerbungen blenden lassen.

Manche Bewerber sind nur auf den ersten Blick ein Held der Arbeit.
Nicht jeder, der sich für eine Spitzenkraft hält bzw. über den Sie „nur Gutes“ gehört haben, ist auch ein Gewinn für Ihren Bereich oder Ihr Unternehmen.
Bleiben Sie also stets kritisch, wenn
1. Sie (Initiativ-)Bewerbungen mit einer überaus erfolgreichen Selbstbewertung erhalten,
2. Ihnen einzelne Personen „wärmstens“ empfohlen werden oder
3. Sie selbst immer wieder positive Berichte über Spezialisten lesen.
Der Grund: Unter Umständen sitzt vor Ihnen eher eine Person, die sich mehr durch Geltungsbedürfnis auszeichnet, denn durch wahre Leistung.
Werfen Sie bei Bewerbungen immer den Blick hinter die Kulissen
Überprüfen Sie daher in den Bewerbungsgesprächen mit Ihren potenziellen neuen Top-Leuten, inwieweit deren bisherigen Aktivitäten nutzbringend für ihre(n) vorherigen Arbeitgeber gewesen sind:
- Lassen Sie sich konkrete Beispiele für deren Erfolg nennen („Sie führen in Ihrer Bewerbung an, dass Sie ... . Was konnten Sie dabei genau verwirklichen?“).
- Fragen Sie nach, wie der-/diejenige alleine diese Leistung erbringen konnte („Wie konnten Sie denn ein solches Ergebnis erzielen? Haben Sie auch mit anderen Bereichen zusammengearbeitet ...“)
- Lassen Sie sich darlegen, inwieweit die früheren Arbeitgeber durch seine/ihre innovativen Ideen wirtschaftlich profitiert haben.
- Bieten Sie ihn/sie zu konkreten Aufgaben spontane Lösungen zu entwickeln („Wir sind häufig mit dem Problem konfrontiert, dass ... Wie würden Sie damit umgehen, wenn wir Sie als ... einstellen.“).
Da Blender oft rhetorisch gut sind, werden Sie am meisten dadurch erfahren, wenn Sie das Bewerbungsgespräch durch stetige Fragen steuern. Vorsicht: Lassen Sie sich auf keinen Fall die Führung aus der Hand nehmen!
Bei diesen Antworten sollten Sie aufhorchen
Menschen, die ihr wahres Können verschleiern, nutzen häufig dafür bestimmte Techniken: Sie
- weisen gerne und oft auf Gemeinsamkeiten mit ihrem Gesprächspartner hin („Ebenso wie Sie komme ich ja eigentlich aus ...“/“Als Familienväter wollen wir ...“)
- schlagen Ihnen spontan Verbesserungsvorschläge vor – ohne die detaillierten Rahmenbedingungen zu kennen bzw. diese kennen lernen zu wollen („An Ihrer Stelle würde ich ... . Das hat bei Firma xy auch hervorragend geklappt“).
- kontaktieren Sie auffallend häufig („Gerade ist mir eingefallen, dass ... . Das wollte ich Ihnen doch sofort noch mitteilen.“)
- sprechen ausschließlich von ihren bisherigen Erfolgen („Damals ist es mir gelungen ... . Aktuell bin ich gerade dabei ...“)
Daran erkennen Sie die wahren Top-Leute
Wer stetig gute und zuverlässige Arbeit leistet, hat kaum Zeit, sich „bei anderen zu präsentieren“. Checken Sie daher die Bewerbungsunterlagen bzw. das Bewerbungsgespräch auch auf folgende Aspekte hin:
- Zeigt der potenzielle Leistungsträger Eigenmotivation (z.B.: Bildet er sich weiter?)
- Bringt er Begeisterung für seine Tätigkeit zum Ausdruck?
- Wie spricht er über Kollegen, Geschäftspartner, Kunden?
Zögern Sie auch nicht, sich Referenzpersonen nennen zu lassen bzw. sich in Ihrer Branche über die von Ihnen bevorzugte Person zu informieren.
Wenn Sie vorsichtig agieren („Ich habe neulich einen Fachbeitrag von ... gelesen. Wie schätzen Sie seine Bewertung zum Thema ... ein?“), bringen Sie die potenzielle Topkraft auch nicht in Erklärungsnöte gegenüber seinem aktuellen Arbeitgeber.
Dr. Jutta Gröschl
Dr. Gröschl ist Chefredakteurin der Monatspublikationen „Coaching“ und „Sekretärinnen SERVICE“, die im WEKA-Tochterunternehmen GWI erscheinen.




