Zeigen Sie Respekt – im Umgang mit Bewerbern
Um bis zu 6 % soll in 2009 das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sinken. Zugleich wird mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahl auf 5 Millionen gerechnet. Auf den ersten Blick scheinen diese Zahlen den Arbeitgebern bei der Auswahl der Bewerbungen zugute zu kommen. Auf den zweiten Blick ist dies jedoch ein Trugschluss: Der „war of talents“ hat nämlich längst begonnen.
Für Arbeitgeber ist es wichtig, bei Bewerbungsgesprächen Respekt zu zeigen
Quelle: Gerd Altmann/Pixelio
So ist anhand der demographischen Entwicklung abzulesen, dass bis zum Jahre 2020 mehr als die Hälfte aller männlichen Erwerbstätigen und 40 % aller Frauen über 60 Jahre alt sein werden. Bis 2030 wird das Durchschnittsalter in den Unternehmen bei 50 Jahren liegen.
Parallel dazu entwickelt sich der Arbeitsmarkt in 2 Richtungen:
Zum einen finden gering qualifizierte Arbeitnehmer immer schwerer eine Anstellung, da einfache Produktionsarbeiten in anderen Ländern kostengünstiger geleistet werden. Zum anderen nimmt die Zahl an spezialisierten Tätigkeiten zu.
Denken Sie daran: Hochmut kommt vor dem Fall
Behalten Sie daher stets im Hinterkopf, dass ein respektvoller Umgang mit Bewerbern sich nicht nur positiv auf Ihr Unternehmensimage, sondern auch auf die Nachfrage generell auswirkt:
- Gilt Ihre Firma als „attraktiv“, werden sich sehr viel eher „interessante“ Fach- und Führungskräfte bei Ihnen vorstellen.
- Haben Bewerber gute Erfahrungen mit Ihnen und Ihren Kollegen gemacht, empfehlen sie Ihr Unternehmen auch gerne weiter.
Wenn Sie also wirklich (hoch) qualifizierte und engagierte Mitarbeiter für Ihr Unternehmen gewinnen möchten, empfiehlt es sich, prinzipiell folgende Fehler zu vermeiden:
- Unklare bzw. zu spezialisierte Stellenausschreibungen
- Bereits im Ausschreibungstext zu verkündigen, dass „die Bewerbungsunterlagen aus Kostengründen nicht zurückgesandt werden“
- Verzicht auf eine Eingangsbestätigung
- Einstellungsentscheidungen hinauszuzögern
Machen Sie Lust auf Ihr Unternehmen
Überlegen Sie – gemeinsam mit Ihrer Personalabteilung – genau, wie das Stellenprofil gestaltet ist und welche Voraussetzungen der zukünftige Mitarbeiter mitbringen soll.
Formulieren Sie die Stellenausschreibung dabei so, dass potenzielle Bewerber sogleich das Gefühl erhalten, in ein „gutes Team zu kommen“.
Achten Sie darauf, dass alle Anfragen – gleich ob telefonisch, per Mail oder brieflich – zeitnah und mit Respekt beantwortet werden.
Nehmen Sie sich die Zeit und beschäftigen Sie sich mit den (ausgewählten) Bewerbungsunterlagen – bevor Sie in die Vorstellungsgespräche gehen oder mit einzelnen Bewerbern telefonieren. Durch gezielte Fragen erfahren Sie nicht nur mehr – die einzelnen Kandidaten fühlen sich auch von Ihnen individueller wahrgenommen.
Sorgen Sie dafür, dass
- die/der ausgewählte(n) Bewerber vor seinem ersten Arbeitstag alle notwendigen Unterlagen und Informationen erhält. Dazu gehört übrigens auch ein Fehler freier Arbeitsvertrag!
- der Arbeitsplatz rechtzeitig vorbereitet wird.
- der neue Mitarbeiter in Empfang genommen und ausführlich über alles Notwendige informiert wird.
- er sofort in die Prozesse eingebunden wird.
Nutzen Sie die Probezeit
Sind Sie mit der Leistung und dem Engagement Ihres neuen Mitarbeiters nicht zufrieden, dann suchen Sie zeitnah das Gespräch mit ihm:
- Stellen Sie (nochmals) Ihre konkreten Erwartungen an ihn dar.
- Bitten Sie ihn aber auch um Feedback zu seinen ersten Tagen/Wochen und überdenken Sie mögliche kritische Anmerkungen.
Schließlich ist die Probezeit keine einseitige Einrichtung: Auch Ihr neuer Mitarbeiter prüft in dieser Zeit, ob er zu der Aufgabe, in Ihr Team, zu Ihnen als Führungskraft und zu Ihrem Unternehmen passt.
Dr. Jutta Gröschl ist Chefredakteurin der Monatspublikationen „Coaching“ und „Sekretärinnen SERVICE“, die im WEKA-Tochterunternehmen GWI erscheinen.




