Die eigenen Bewertungsmuster kennen
Manchem fällt es schwer, sich selbst positiv einzuschätzen und dementsprechendes Selbstvertrauen auszustrahlen. Vielleicht liegt das nur daran, dass die innere Messlatte astronomisch hoch eingestellt ist?

Fehler sind erlaubt.
Unsere Selbsteinschätzung ist sehr durch teilweise unbewusste emotionale Vorentscheidungen bestimmt – anhand von Bewertungsmustern, die wir im Laufe unseres Lebens erworben und erlernt haben. Wir selbst sind oft unsere schärfsten Kritiker. Gerade wenn sich Gedanken und Gefühle immer wieder im Kreise drehen, sind wir in solche inneren Muster verstrickt und entsprechend handlungsunfähig.
Fehler sollten wir nicht immer gleich als persönliches Versagen betrachten. Wir sollten uns selbst die Erlaubnis geben, auch mal Fehler zu begehen, Dinge nicht auf Anhieb lösen zu können oder nicht perfekt zu lösen. Fehler sind immer eine Chance, für die Zukunft zu lernen.
Erst die sogenannte Überkontrolle macht aus einem objektiven Fehler eine subjektive Katastrophe. Ein angemessener Umgang mit Erwartungen an sich selbst, mit Enttäuschungen und Ärger dagegen hilft, eine schwierige Situation ohne Schaden zu überstehen.
Ein Fehler ist dazu da, um aus ihm zu lernen.
Negative Erfahrungen, besonders die aus unserer Kindheit, gerinnen zu unbewussten emotionalen Kontrollinstanzen. Sie entwickeln sich zu negativen inneren Programmen. Wer immer sofort zu sich selbst sagt: „Diese Aufgabe kann ich niemals bewältigen!“, der hat wahrscheinlich eine solche innere Bremse eingebaut. Diese Bremsen zu lösen, ist allerdings keineswegs einfach. Sie sind recht stabile innere Muster. Manchmal helfen die folgenden vier, etwas verwirrend erscheinenden Fragen, Distanz zu diesen Bremsen zu bekommen:
- Was würde passieren, wenn ich diese Aufgabe annehmen würde?
- Was würde passieren, wenn ich diese Aufgabe nicht annehmen würde?
- Was würde nicht passieren, wenn ich diese Aufgabe annehmen würde?
- Was würde nicht passieren, wenn ich diese Aufgabe nicht annehmen würde?
Die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren, wird durch Merkmale der einzelnen Persönlichkeit mitbestimmt: Der eine motiviert sich von Hause aus besser als der andere. Für den einen ist ein Wasserglas halb voll, für den anderen halb leer.
Die Motivationspsychologie hält besonders drei persönliche Dispositionspaare für wichtig, die die emotionale Beurteilung eines Ziels oder Anreizes betreffen:
- die Hoffnung auf Erfolg bzw. Angst vor dem Versagen
- die Hoffnung auf Anschluss an andere bzw. die Angst vor Zurückweisung
- das Zutrauen auf die eigene Macht, etwas in den Griff zu bekommen, bzw. die Angst vor Verlust der Kontrolle und Ohnmacht
Wenn wir unsere persönliche Disposition kennen, dann können wir diese leichter in unsere Kalküle einbeziehen. Wer zu Ängstlichkeit und Pessimismus neigt, der kann dieser Tendenz entgegensteuern: Er braucht nur seine „typischen“ Befürchtungen nicht mehr ganz so ernst nehmen. Wer dagegen aufgrund seines Daueroptimismus immer wieder in schwierige Situationen gerät, der sollte vielleicht etwas mehr Vorsicht walten lassen.
Motivationskrisen werden durch äußere Umstände beeinflusst oder verschärft. Oft hilft es, entsprechende, problembeladene Situationen und Räume einfach zu verlassen: Anstatt verkrampft auf einem Stuhl zu kleben, raus gehen, tief durchatmen, sich in frischer Luft bewegen. Sich auf Zerstreuung einlassen. Bewusst Orte, Situationen oder Menschen aufsuchen, die einem gut tun.
Gehen Sie gut mit sich selbst um.
Besonders Männer neigen dazu, Probleme alleine lösen zu wollen, als einsamer Wolf zu kämpfen, der immer zum großen Helden werden will. Andere Menschen, gute Freunde, Kollegen, auch Vorgesetzte, können oft helfen, subjektive Katastrophen von mehreren Seiten zu sehen, besser zu beurteilen, auch die Chancen zur Problemlösung wahrzunehmen. Andere Menschen können uns mitziehen und manchmal mitreißen. Übrigens: Professionelle Helfer, Psychologen, Supervisoren und Coaches verfügen über ein Instrumentarium, das oft hilft, kleine Wunder zu vollbringen.
Sie lasen soeben einen Auszug aus "Optimales Selbstmanagement".





