Umdenken leicht gemacht
Kennen Sie die Cognitive Behavioural Therapy (CBT)? Das hinter diesem Therapieansatz stehende Denkmodell hat sich mittlerweile auch im Geschäftsleben durchgesetzt, vor allem im englischsprachigen Raum. Denn: Es hilft, das eigene Denken zu hinterfragen und sein Verhalten zu ändern.

Ziel der CBT ist es, Gedanken und Verhaltensweisen so zu beeinflussen, dass sich gemeinsam bessere Ergebnisse erzielen lassen
Viele innovative Geschäftstrends haben ihre Wurzeln in anderen wissenschaftlichen Forschungsgebieten oder stammen aus einem früheren Zeitraum. Die kognitive Verhaltenstherapie (Cognitive Behavioural Therapy CBT) wurde ursprünglich im 20. Jahrhundert entwickelt, um Menschen zu helfen, ihr Denken („Cognition“) zu modifizieren. Dies sollte sie dabei unterstützen, ihre Gefühle und ihr Verhalten bei Störungen wie Depression, Phobien, Essattacken, Besessenheit und Hyper-Reizbarkeit abwandeln zu können.
CBT hat heute den Weg in das Wirtschaftsleben gefunden, weil die Forschung auf diesem Gebiet den alltäglichen Geschäftssituationen angepasst worden ist: Ziel ist es, problematische Gedanken und Verhaltensweisen so zu beeinflussen, dass bessere Ergebnisse erzielt werden können.
Viele Faktoren bestimmen das Handeln
Überlegen Sie doch einmal, was beispielsweise in Ihnen vorgeht, wenn Sie Ihre Befürchtungen bezüglich einer Idee, die von Ihrem Vorgesetzten stammt, nicht äußern. Sogar eine einfache Handlung wie diese enthält verschiedene Komponenten; darunter z. B. die persönliche Überzeugung, dass ...
- Ihr Vorgesetzter die Bedenken als persönliche Kritik auffassen könnte.
- er prinzipiell besser Bescheid weiß als Sie.
- Sie sich ein wenig „schwächlich“ fühlen, weil Sie nicht tapfer genug sind um Ihre Bedenken auszusprechen.
- die Auswertung von Wahrnehmungen (z. B. Tonfall, Gesichtsmimik)
- Ihre aktuelle Gemütsverfassung (z. B. die Sorge/unterschwellige Angst, dass Ihre Reaktion Ihr Gegenüber verstimmen wird)
- innerlicher Drang oder Versuchung (z. B. zumindest vage Zeichen Ihrer Zustimmung zu zeigen)
- der Glaube an die Vorteile, die Sie sich durch Ihr Verhalten erhoffen
- aber auch die Nachteile, die Sie befürchten (z. B. dass Ihr Vorgesetzter von Ihnen enttäuscht sein wird, weil Sie nicht geholfen haben, die Risiken einzudämmen oder andere Lösungen zu entwickeln)
Bemühen Sie sich, umzudenken
Der CBT-Ansatz ermöglicht Ihnen, sich auf eine dieser Komponenten zu konzentrieren. Das Ziel ist es, bestimmte Aspekte zu ändern und insgesamt die Wirksamkeit Ihres Auftretens zu verbessern.
Fall aus der Praxis
Eine Führungskraft erzählt beim Mittagstisch seinem Kollegen: „Schon als sie durch die Tür kam, war klar, dass sie nur viel Arbeit auf uns abladen wollte! Sie erwartet immer, dass wir die Arbeit für ihre Mannschaft schaffen – statt selbst mehr zu arbeiten! Aber rate mal, wer das Lob für gut gelungene Arbeit bekommt? Richtig: ihre Mannschaft! Und rate mal, wer die Schuld trägt, wenn es Probleme gibt? Wir natürlich!“
Die im Praxis-Fall dargestellten Empfindungen kennen Sie bestimmt auch. Dahinter stehen Grundüberzeugungen wie beispielsweise:
- „Andere Leute schätzen nicht, wie hart wir arbeiten.“
- „Andere Teams verstehen unsere Probleme nicht.“
- „Viele Vorgesetzte glauben, uns einfach herumkommandieren zu können und Aufgaben auf uns abzuwälzen.“
Welches Verhalten werden solche Überzeugungen wohl hervorrufen? Höchst wahrscheinlich erzeugt das ein unkooperatives Verhalten gegenüber Mitgliedern der anderen Teams und Groll gegenüber dem Vorgesetzten, der die Entwicklung dieser Situation erlaubt hat.
Was ist aber nun, wenn ein Kollege im dargestellten Praxis-Fall der Führungskraft folgendes antwortet: „Ich wette, sie merkt nicht, was sie da macht! Lange hatte ich die gleiche Schwierigkeit mit Herrn Schmidt von der Verkaufsabteilung gehabt. Irgendwann einmal habe ich ihm dann erklärt, wie ich es empfinde, wenn er einfach mit seinen Zusatzwünschen herüberkommt. Seitdem ist er viel rücksichtsvoller – bisher jedenfalls.“
So erreichen Sie mehr
Es ist verlockend zu denken, dass Sie nichts gegen Ihre Überzeugungen tun können, weil sie „auf Tatsachen beruhen“. Tatsächlich können Sie jedoch oft Ihre Annahmen neu bewerten und weitere Informationen sammeln. Bezogen auf den Praxis-Fall bedeutet dies:
Vielleicht ist der Kollegin gar nicht bewusst, was für einen Eindruck sie hinterlässt!
Unter Umständen macht es Sinn, ihr einmal darzulegen, wie viel Arbeit Sie schon zu bewältigen haben – und wie Sie ihre Art empfinden.
Der Vorteil: Sobald Sie versuchen, positiv umzudenken, sind Sie eher geneigt, anderen gegenüber Ihre Situation zu erklären. Bestimmt wird darauf auch Ihr Vorgesetzter anders reagieren, als Sie immer angenommen haben.
Richard Croft,
lebt in London und verfügt über 19 Jahre Beratungserfahrung bei britischen, amerikanischen und japanischen Unternehmen.




