Mit Improvisation zum Erfolg
Sie müssen einen Vortrag halten, alles ist bereit und wartet auf Ihren Auftritt - Ihr Manuskript liegt aber leider immer noch gut behütet daheim. Wer jetzt gekonnt improvisieren kann, hat gewonnen. Wer nicht, kommt um eine Peinlichkeit kaum herum.

Improvisation ist ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg
Eine ähnliche, nicht ganz seltene Situation: Ein Vorgesetzter hat seine Sekretärin – wie schon oft – gebeten, ihm eine Rede für einen wichtigen Anlass zu schreiben. Sie hat schon einige Male durchblicken lassen, dass Redenschreiben eigentlich nicht zu ihren Aufgaben gehört, doch der Vorgesetzte hat nicht darauf reagiert.
Während seines Vortrags liest der Vorgesetzte Wort für Wort vom Text der Sekretärin ab. Als er am Ende des Vortrags ankommt, liest er: „Lassen Sie mich nun das Wesentliche noch einmal zusammen fassen:“. Doch dann steht da nur noch: „Jetzt sind Sie dran!“ – Eine peinliche Situation, finden Sie nicht auch? Doch eine Situation, in die er als Vorgesetzter nicht ganz unschuldig hineingeraten ist...
Was auch immer die Ursache war – in solchen Momenten ist Improvisation gefragt, und zwar sofort! Sie müssen beherzt den Anschein erwecken, als hätten Sie alles im Griff, doch das ist leichter gesagt als getan! Mit ein wenig Übung kriegen Sie das jedoch hin.
Improvisation = kreative Spontanität!
Waren Sie schon einmal in einem Improvisationstheater? Das funktioniert so: Den Schauspielern werden vom Publikum Vorgaben gemacht, die sie in ihr Schauspiel aufnehmen müssen. Das führt zu immer neuen Situationen und Wortspielereien.
Ein Beispiel: Es folgt die Tagesschau – die Schauspieler verlesen die Nachrichten und müssen dabei immer wieder Texte einbauen, die sie vom Publikum auf kleinen Zetteln erhalten haben. Auf diesen steht dann vielleicht: „Ich hatte eine Autopanne“ oder „Der Dax bricht ein“ oder etwas total Sinnloses wie etwa „Wenn Schweine um die Ecke fliegen, werden alle Omas im Lotto gewinnen“.
Was aber hat das mit Ihrem Joballtag zu tun? Einiges, denn der Schauspieler muss – wie Sie auch – zu drei Dingen „Ja“ sagen:
- „Ja“ zum Thema, zu dem improvisiert wird
- „Ja“ zum Spielangebot, das Zuschauer und Mitspieler machen und
- „Ja“ zum kreativen Umgang mit der Spielszene.
Sie dürfen also auf keinen Fall sich selbst oder andere blockieren! Lassen Sie sich in die Situation fallen – wenn Sie ja dazu sagen, werden Ihnen erste Ideen kommen (und die sind fast immer die besten!).
Zurück zu unserer Geschichte am Anfang: Was passiert mit dem Chef, der plötzlich „blank“ dasteht? Die erste gewohnte Reaktion wird wahrscheinlich Angst sein, danach könnten folgende Reaktionen auftreten:
1. Falsch: Er sinnt auf Rache gegenüber seiner Sekretärin – doch das bringt ihn jetzt nicht weiter. Das ist eine klassische Blockade, weil er die Improvisation ablehnt.
2. Besser: Ist der Chef souveräner, wird er zurück blättern und die Punkte im Manuskript suchen, die er nun für die Zusammenfassung braucht. Er findet auch einiges, das er noch einmal abliest. Allerdings hat er sich so nur an die Situation angepasst, ohne sie wirklich im Griff zu haben.
3. Richtig: Ist der Chef jedoch der richtige Mann auf seinem Posten, dann passiert Folgendes: Er hat den Vortrag zwar nicht selbst geschrieben, aber er ist doch der Leiter des Unternehmens. Und so weiß er einfach, wovon er spricht. Er kann die Unterlagen beiseite legen und vollkommen frei resümieren. Er bejaht die Situation, ihm fallen die richtigen Worte und Fakten ein – er beherrscht seinen Job!
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Martin Doll
Martin Doll ist Autor, Regisseur und Dozent für Kommunikationstraining.




