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26.04.2010
Arbeitsorganisation

Multitasking? Besser immer schön der Reihe nach!

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E-Mails abarbeiten, nebenbei an der PowerPoint-Präsentation für morgen und an den Statistiken, für kommende Woche arbeiten, und dann klingelt auch noch laufend das Telefon. Derartiges Multitasking ist Alltag - doch wissenschaftliche Studien belegen: Multitasking tut dem Menschen gar nicht gut.

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Multitasking macht krank und produziert Fehler

Multitasking ist (noch) ein positiv belegter Begriff: Wer viele Dinge zugleich bewältigen kann, gilt als besonders geschickt und intelligent. Ein kollektiver Irrtum, wie sich zunehmend zeigt.

„Multitasking gibt es gar nicht“

Die Wissenschaft beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Thema „geteilte Aufmerksamkeit“. Im Fokus steht immer die Frage, ob der Mensch zwei oder mehrere Aufgaben gleichzeitig ausführen kann.

Er kann es offenbar nicht: Das vermeintliche Multitasking ist nur ein rasches Umschalten zwischen verschiedenen Aufgaben, erklären US-Psychologen. Dabei würde Schnelligkeit mit Intelligenz verwechselt.

Die kognitiven Prozesse wechseln innerhalb von hundert Millisekunden oder weniger, bestätigt auch Prof. Iring Koch aus Aachen. Entscheidungen werden demnach hintereinander gefällt. Und das sollte man nicht überstrapazieren.

Multitasking beeinträchtigt die Leistung

Eine ständige Verlagerung der Aufmerksamkeit bringt den Menschen aus dem Konzept. Die Konzentration auf die jeweilige Aufgabe fällt dann schwerer, was wiederum die Bearbeitungszeit verlängert.

Im Hochschulmagazin „Forschung & Lehre“ berichtet Koch von Experimenten mit verschiedenen Aufgabenbelastungen. Sie belegen, dass die Leistung beim Multitasking im Vergleich zur Ausführung einer einzelnen Aufgabe deutlich schlechter ist.

Fehler und Spätfolgen von Multitasking

Auf die Praxis bezogen bedeutet das zum Beispiel: Hans M. entgeht vielleicht ein Fehler in seiner Präsentation, während er seinem Auftraggeber am Telefon zuhört.

Und, auch wenn er dabei lässig wirkt: Die Reizüberflutung verursacht unterschwellig Hektik und Stress ‒ und damit langfristig Gesundheitsschäden. Experten rechnen außerdem mit kognitiven Spätfolgen wie Konzentrationsstörungen bis hin zum Verlust des Kurzzeitgedächtnisses.

Multitasking als Unfallursache

Wer zu viel (scheinbar) gleichzeitig erledigt und dabei auch noch schnell reagieren muss, lebt besonders gefährlich. Das Magazin „Der Spiegel“ berichtet in seiner Online-Ausgabe von simulierten Autounfällen. Die Versuchspersonen telefonierten während des Fahrens über eine Freisprechanlage. Trotzdem waren sie dadurch so unaufmerksam, dass sie Zusammenstöße provozierten.

Das ernüchternde Fazit: Wer während des Autofahrens telefoniert, egal mit welcher Technik, geht das vierfache Unfallrisiko ein. Die Reaktionsfähigkeit entspreche der von 0,8 Promille Alkohol im Blut.

Wirtschaftliche Folgen von Multitasking

Die Mehrfachbelastung des Gehirns hat auch wirtschaftliche Folgen. Rund ein Viertel der wertvollen Zeit soll durch die Unterbrechungen draufgehen, schließlich muss man mehr Fehler wieder ausbügeln und sich mental auf die jeweilige Aufgabe einstellen.

 

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Eine US-Beratungsfirma hat Manager nach ihrem Arbeitsverhalten befragt und danach ausgerechnet, dass Multitasking die amerikanische Wirtschaft jährlich rund 28 Milliarden Stunden an Arbeitszeit kostet.

So bleiben Sie bei der Sache

Wer also mit seiner Aufmerksamkeit bei der Sache bleibt, die gerade am wichtigsten ist, kann seine Aufgaben insgesamt einfacher bewältigen und lebt gesünder.

Fünf nützliche Strategien für Ihre Zeiteinteilung ohne Multitasking:

1. Oganisieren Sie Ihre Arbeitsabläufe und setzen Sie Prioritäten. Mit einem entschlackten Zeitplan betreiben Sie auch weniger Multitasking.

2. Schaffen Sie eine förderliche Arbeitsumgebung. Je ruhiger, desto besser. Zusätzliche Reize können Multitasking provozieren. Gespräche mit anderen Mitarbeitern, die E-Mail-Erinnerungsfunktion, selbst Nachrichten im Radio bringen Sie vielleicht auf Gedanken, die gerade fehl am Platz sind.

3. Lassen Sie sich nicht ablenken. Stellen Sie zum Beispiel das Handy lautlos, wenn Sie sich auf eine Aufgabe konzentrieren müssen. Mitarbeiter können wichtige Nachrichten auf Notizzetteln hinterlassen, wenn Sie nicht ständig angesprochen werden möchten.

4. Keine Ausreden! Wie bequem ist es doch, die Vorbereitung Ihrer Präsentation zu unterbrechen, weil Kollege X gerade ein Pläuschchen halten möchte. Fragen Sie sich immer, ob es nicht der innere Schweinehund ist, der Sie gerade ablenken möchte. Und bleiben Sie bei dem, was wirklich wichtig ist: Kollegen können Sie auch später gehen.

5. Sorgen Sie für Ausgleich, vor allem, wenn Sie zu Multitasking neigen: Bei entspannenden Freizeitaktivitäten wie Spaziergängen kann das Gehirn „durchlüften“. Es hilft auch, sich in der Arbeitspause für ein paar Minuten einfach einmal dazusitzen und an „nichts“ zu denken.

Fazit: Multitasking ist alles andere als produktiv!

Das belegen wissenschaftliche Studien inzwischen mehrfach. Zeitverluste, Fehler und Stress sind die Folge, wenn die Aufmerksamkeit ständig zwischen zu vielen Aufgaben springen muss. Bleiben Sie bei der Sache!

Christine Lendt, Fachautorin