Onlineshopping: gute Sache oder hohes Risiko?
Ein paar Tasten gedrückt, ein Klick mit der Maus und schon ist die Bestellung erledigt. Doch hier ist besondere Vorsicht geboten! Das Internet bietet vielen Betrügern und unseriös arbeitenden Geschäftsleuten eine anonyme und lukrative Plattform.

Onlineshopping: Einfach und bequem oder unsicher und risikoreich?
Beispiel
Vor einiger Zeit haben Sie von einem Kollegen aus einem anderen Unternehmen den Tipp bekommen, dass es da einen Onlineversender gibt, bei welchem dieser seit einiger Zeit seine Waren um ein Vielfaches günstiger einkauft. Sie denken sich: Was der kann, können Sie schon lange! Also schnell rein ins Internet, tja und dann? Der virtuelle Markt ist mittlerweile so groß, dass er kaum noch zu überschauen ist. Schnell tauchenbei einem Profi dann Fragen auf: Welche Risiken gehe ich ein? Wie läuft die Zahlungsabwicklung? Was geschieht bei Mängeln?
Gewusst wie: Achten Sie auf die Details bei der Auswahl
Im Internet einen günstigen und auch seriösen Anbieter zu finden, ist nicht so schwer, wie es auf den ersten Blick scheint. Wenn Sie auf einige wichtige Details achten, dann werden Sie später mit dem neuen Geschäftspartner genau so zufrieden sein, wie mit Ihren bisherigen Lieferanten.
Wer steckt hinter den Angeboten im Internet
Mit einer der ersten Fragen, welche Sie bei einer geplanten Bestellung bei einem Onlineshop abstimmen sollten, ist die Klärung der Identität Ihres zukünftigen Geschäftspartners.
Experten-Rat
Wichtig ist hier vor allem, dass Sie dieseschnell auffinden und Sie hier sämtliche Kontaktdaten mit einem oder wenigen Klicks erfahren können.
Unseriöse oder fragliche Anbieter sind oftmals schnell zu erkennen
Bei Firmen, die lediglich Postfachadressen preisgeben und/oder als Telefonnummer nur teurere Verbindungen zur Verfügung stellen, sollten Sie die Webseite schnell wieder verlassen und nach anderen Anbietern suchen.
Gütesiegel = Sicherheitsbeweis?
Gütesiegel schaffen Vertrauen. Haben Sie als Verbraucher die Wahl zwischen zweiProdukten, dann werden bestimmt auch Sie der Ware den Vorzug geben, welche ein Gütesiegel vorzuweisen hat – auch wenn Sie nicht wissen, wer das Siegel überhaupt verliehen hat und warum. Aber so geht es vielen. Und genau das wissen die Onlineshop- Betreiber auch.
Tipp
Seien Sie nicht verwundert, dass einigeInternetverkäufer mit Gütesiegeln aufwarten, deren Herkunft oftmals nur dem Kopf eines kreativen Grafikers entsprungen sind. Gütesiegel, die hier wirklich die Seriosität und die Qualität eines Onlineshops bestätigen, sind nicht so oft zu finden.
Ein weiterer Grund nicht blind jedem Gütesiegel zu vertrauen ist der, dass die Siegelvon Wirtschaftsverbänden oder privaten Instituten vergeben werden.
Das Fernabsatzgesetz schützt nur Privatkäufer
Bei vielen Internetseiten prangen auf den ersten Seiten Banner wie „Zufriedenheitsgarantie“, „uneingeschränktes Rückgaberecht“ etc., die dem Kunden als erstes Sicherheit und Seriosität vermitteln sollen.
Achtung vor dem Unterschied zwischen gewerblichen und privaten Kunden
Angesprochen werden in solchen Fällen lediglich die Verbraucher, welche im privaten Namen einkaufen. Diese hat der Gesetzgeber mit seinem sogenannten Fernabsatzgesetz jetzt auch für Käufe im Internet besonders geschützt.
Onlinegeschäfte werden behandelt wie Haustürgeschäfte
So gelten die gesetzlichen Bestimmungen, welche für Haustürgeschäfte bereits Bestand hatten, nun auch für den Onlinehandel. Verbraucher können sich auf ein mindestens 14-tägiges Widerrufsrecht berufen. Der Staat schützt hier aber wohlgemerkt nur die privaten Käufer, nicht die gewerblichen.
Angebot + Annahme = bindender Vertrag
Für Sie gilt also nach wie vor: Wenn Sie im Namen und im Auftrag Ihres Unternehmens über die Internetseite eine Bestellung abschicken, ist dies als förmliche Annahme des dortigen Angebots zu werten und der Kaufvertrag ist zustande gekommen. Eingesetzlich verbrieftes und uneingeschränktes Rückgaberecht, wie es private Verbraucher genießen, kommt für Sie nicht in Betracht.
Auch hier gilt die Regel: Es ist unbedingt auf das Kleingedruckte zu achten!
Wie bei anderen vertraglichen Vereinbarungen sollten Sie auch hier Ihr Augenmerk unbedingt auf das „Kleingedruckte“ richten. In einigen Fällen finden Sie lediglich erst nach einigen Klicks und ziemlich versteckt einen Hinweis darauf, wo Sie diese finden können. Seriöse Anbieter hingegen weisen Ihnen den Weg dahin gleich auf der Startseite oder aber so offen, dass Sie diese nicht übersehen können.
Rückgaberecht oder mögliche Stornierung als Zusatzleistung
Wie auch bei Ihren bisherigen Lieferanten bieten Ihnen viele Onlinehändler – ohne sich auf die Gesetze zu berufen – ein Rückgaberecht oder eine Möglichkeit zur Stornierung der Bestellung an.
Günstige Preise – teure Versandkosten
Zu einer der Fallen, die immer wieder unterschätzt und schnell übersehen werden, gehören die Versandkosten. Die Freude über die vermeintlich günstigen Preise für die Waren schwindet schnell, wenn plötzlich horrende Versandkosten, Bearbeitungsgebühren oder andere – teils dubiose – Gebühren den Gesamtrechnungsbetrag drastisch erhöhen.
Experten-Rat
Überprüfen Sie also immer vor dem Einleiten eines Bestellvorgangs die Kosten, welche zusätzlich noch auf Sie zukommen werden. Besondere Vorsicht ist geboten bei Onlinehandel in Drittländern.
Onlinehandel in Drittländern
Befindet sich der Onlineversandhändler beispielsweise in China, können die Kosten für die Verschiffung, die Zollgebühren etc. ungeahnte Höhen erreichen. Darauf zu warten, dass diese während einer Bestellung ja noch angezeigt werden, ist risikoreich, denn ein falscher Klick mit der Maus oder ein Tastendruck genügt und die Bestellung kann bereits abgeschlossen sein, ohne dass Sie dies eigentlich beabsichtigt haben.
Tipp
Der Markt des Onlinehandels ist derart groß, sodass es schier unmöglich erscheint, die Übersicht zu behalten. Bei der Suche nach dem günstigsten Angebot helfen hier unter Umständen auch die Preissuchmaschinen weiter. Sie listen schnell viele Anbieter oft mit den Vermerken nach den Versandkosten, den Lieferzeiten sowie der Nationalität auf.
Checkliste: Das sollten Sie vor Ihrer ersten Bestellung bei einem Internethändler unbedingt beachten.
- Ist schnell ersichtlich, wer sich hinter der Internetadresse verbirgt?
- Können Sie schnell und unkompliziert Kontakt zum Anbieter aufnehmen?
- Befindet sich der Internethändler im eigenen Land, innerhalb der EU oder gar in Übersee oder China?
- Wie genau und verständlich sind die Versandkosten beschrieben worden?
- Bietet mir der Händler ein Rückgaberecht an – auch wenn ich kein Privatkunde bin?
- Sind die Allgemeinen Geschäftsbedingungen schnell auffindbar und kann ich mir diese ausdrucken und/oder auch herunterladen?
Das Risiko ist auf beiden Seiten
So wie sich Ihre bisherigen Lieferanten durch den Besuch von Vertretern davon überzeugen konnten, dass es sich bei Ihnen ebenfalls um seriöse Geschäftspartner handelt. So möchten sich selbstverständlich auch seriöse Internethändler davon überzeugen, dass es sich bei Ihnen nicht um irgendwelche kriminell handelnde Privatleute handelt, die sich Ware bestellen und nicht beabsichtigen, diese auch zu bezahlen.
Dies ist oft der Grund, warum viele Versender meist die erste Zusendung lediglich gegen Vorkasse, Lastschriftverfahren, Kreditkarte oder Nachnahme zulassen. Erst später räumen diese dann die Möglichkeit zur Zahlung auf Rechnung ein. Nutzen Sie hier ruhig die entsprechenden Kontaktmöglichkeiten, um sich mit dem Onlinehändler auf eine andere Art der Absicherung zu verständigen, sodass Sie nicht erst einen der oben beschriebenen Zahlungswege vornehmen müssen.
Oft genügt auch ein Nachweis der gewerblichen Tätigkeit bzw. eine Bestätigung über die Eintragung des Unternehmens beim zuständigen Handelsregister.
Experten-Rat
Entsprechend wie Sie mit Ihren bisherigen Geschäftspartnern günstige Konditionen ausgehandelt haben, können Sie dies oftmals auch mit dem Onlineversender tun, Vorausgesetzt Sie tätigen dort in regelmäßigen Abständen und in genügender Menge Ihre Einkäufe.
Ein Versuch ist es allemal wert und so können Sie hier und da vielleicht noch mehr Ersparnisse für Ihr Unternehmen erreichen.
Markus Lemme




