Das Leiden der Fleißigen - Burn-out-Syndrom
Der Druck wächst ständig und die Arbeitswelt wird immer rauer. Es ist also kein Wunder, dass immer mehr Manager unter dem Burn-out-Syndrom leiden.

Burn-out-Syndrom
Fast jede Führungskraft hat mindestens einmal im Berufslebeneine Phase, in der sie ausgelaugt ist.
Die größte Gefahr dabei ist, dass sich Spitzenkräfte nicht eingestehen wollen, dass sie dem Druck nicht mehr standhalten – denn …
- … Burn-out wird oft als Versagen fehlinterpretiert, daher nagt die Diagnose am Selbstbild,
- … viele Manager stellen die eigenen Bedürfnisse stets zurück,
- … niemand will als leistungsschwach gesehen werden,
- … es besteht die Angst, dass Burnout zum Karriereende wird.
Dies sind die Symptome
Trotz der vielfältigen Erscheinungsformen sind fünf Symptombereiche typisch. Hierzu zählen:
- Psychische Symptome wie z. B. Konzentrationsstörungen, Versagensängste, Schuldgefühle, Frustration, Gleichgültigkeit und nervöse Ticks.
- Physische Symptome wie etwa Müdigkeit, Schlafstörungen, häufige Krankheiten z. B. Erkältungen,Kopfschmerzen, Magen-Darm- Beschwerden usw.
- Auffälligkeiten im Verhalten wie hohe Aggressivität, häufiges Fehlen am Arbeitsplatz, verminderteEffizienz.
- Soziale Symptome wie Isolierung und Rückzug, Ehe- und Familienprobleme, Einsamkeit.
- Problematische Einstellungen wie Zynismus, negative Arbeitseinstellung, Verlust von Idealismus.
Wer ist gefährdet?
Generell ist die Diagnose schwierig, denn den klassischen „Ausbrenner- Typen“ gibt es nicht. Der Erschöpfungszustand wird von jedem anders erlebt und äußert sich individuell unterschiedlich. Es gibt aber Persönlichkeitsmerkmale, die einen Burn-out begünstigen:
- Perfektionisten, die mit hohen Erwartungen und ehrgeizigen Zielen antreten. Diese Menschen können auch in der Freizeit nicht entspannen.
- Pessimisten, die sich bei Erfolgen wie Misserfolgen abwerten und nie zufrieden sind. Ihnen fällt es schwer, um Hilfe zu bitten.
- Ja-Sager, die sich viel zu viel aufbürden. Sie sind enttäuscht, wenn der Arbeitseinsatz nicht genügend gewürdigt wird. Es folgen Demotivierung und Burnout.
- Menschen, die Warnsignale ihres Körpers nicht ernst nehmen. Die Arbeit ist ihr Lebensinhalt und dafür engagieren sie sich Tag und Nacht. Hier fehlt der natürliche Ausgleich.
Das Burn-out-Syndrom verläuft in vier Phasen. Allerdings ist Vorsicht geboten, denn einzelne können auch übersprungen werden. Manchen Betroffenen gelingt es auch, früh einen Weg aus der Krise zu finden.
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Erste Warnsignale
Sie arbeiten gern und freuen sich auf die Herausforderungen. Ihre persönlichen Wünsche und Bedürfnisse stellen Sie zurück, weil Sie im Beruf überzeugen wollen. Doch immer öfter sind Sie erschöpft, die Unzufriedenheit steigt und ab und zu wird die Arbeit zur Qual. -
Das Engagement sinkt
Ihr Arbeitseifer und Ihr Einsatz nehmen ab. Ihr Verhältnis zu Kunden und Mitarbeitern verschlechtertsich. Eventuell werden Sie als „anspruchsvoll“ und „fordernd“ charakterisiert. Zudem haben Siehäufiger das Gefühl, Ihre Arbeit nicht mehr im Griff zu haben. Ihre Belastbarkeit sinkt, Sie sind zunehmend reizbar. -
Die Leere wächst
Versagensängste bestimmen Ihren Tag. Verspannungen, Magenprobleme und chronische Müdigkeitverschlimmern die Situation. Motivation, Konzentration und Leistungsfähigkeit sind auf dem Nullpunktangelangt. -
Die Verzweifelung steigt
In der vierten Phase erscheint das Leben leer und sinnlos. Spätestens jetzt müssen Sie Rat und Hilfe bei Psychologen und Ärzten einholen. Das Burn-out-Syndrom kann im schlimmsten Fall mit einem Selbstmord enden!
Warten Sie nicht zu lange
Wenn Sie denken, dass Sie gefährdet sind, sollten Sie nicht zu lange warten, bevor Sie aktiv werden und sich Hilfe von Experten holen.
Da Dauerstress als Nährboden des Syndroms gilt, ist es wichtig, dass Sie es mit Hilfe von Anti-Stress-Strategien erst gar nicht bis zum Ausbrennen kommen lassen.
Gegen das Burn-out-Syndrom hilft vor allem, wenn Sie …
- … den Bedürfnissen Ihres Körpers Rechnung tragen. Schlafen Sie ausreichend, ernähren Sie sich gesund und bewegen Sie sich. Lassen Sie sich dabei Zeit, denn Hektik ist kontraproduktiv.
- … regelmäßige Pausen einlegen. Blocken Sie dafür in Ihrem Terminkalender feste Zeiten. Trinken Sie in Ruhe einen Tee oder gehen Sie raus, frische Luft schnappen.
- … lernen, „Nein“ zu sagen. Vergessen Sie Ihre Schuldgefühle. Lassen Sie die Kollegen sich selbst an einer Aufgabe versuchen.
- … Arbeit delegieren. So haben Sie mehr Zeit für sich und die Aufgaben, die wirklich wichtig sind.
- … nicht alles hundertprozentig machen wollen. Nicht alle Dinge müssen perfekt erledigt werden.
- … sich auch wieder Zeit für die Familie, Freunde und Ihre Hobbys nehmen. Gönnen Sie sich die Zeit zum Abschalten und Auftanken.
- … mit einem Arzt über Ihre Probleme reden.
Es ist wichtig, dass Sie sich schonen. Bedenken Sie aber, dass Stress nicht generell schlecht ist. Positiver Stress kann zu Höchstleistungen anspornen. Ob Stress krank macht, hängt von von der Intensität der Situation und ihrer Dauer ab. Außerdem spielen Ihre individuellen Bewältigungsfertigkeiten eine entscheidende Rolle.
Spielen Sie mit offenen Karten
Im Arbeitsalltag sollten Sie offen über Ihr Befinden reden. Sie haben viel geleistet und müssen jetzt nicht verstecken, dass die beruflichen Anstrengungen nicht immer ganz leicht waren. Gehen Sie offensiv mit dem Burn-out-Syndrom um: Bitten Sie die Kollegen um Verständnis dafür, dass Sie in Zukunft etwas kürzer treten werden. Und: Erklären Sie Ihrem Vorgesetzten, dass Sie eine Pause brauchen, um dann wieder mit Energie zu arbeiten.
| SIND SIE BURN-OUT-GEFÄHRDET? | Ja | Nein |
|---|---|---|
| Strengen Sie schon einfache Tätigkeiten an? | ||
| Haben Sie das Gefühl, leer und ausgelaugt zu sein? | ||
| Denken Sie oft, dass Sie den Anforderungen nicht mehr gewachsen sind? | ||
| Sind Ihnen Ihre Kunden und Ihr Vorgesetzter egal? | ||
| Ist das Verhältnis zu den Kollegen in letzter Zeitmerklich schlechter geworden? | ||
| Leidet Ihr Privatleben unter der Arbeit? | ||
| Hat Ihnen Ihre Familie geraten, kürzer zu treten? | ||
| Waren Sie in den letzten Monaten auffällig oft krank? | ||
| Benutzen Sie Ausreden, um sich vor arbeitsintensiven Projekten zu drücken? |
Auswertung:
Wenn Sie mehr als dreimal mit „Ja“ geantwortet haben, sollten Sie in Zukunft etwas kürzer treten und sich Erholung gönnen.
Buchtipp
Work-Life-Balance. So bringen Sie Ihr Leben (wieder) ins Gleichgewicht. Von Heike M. Cobaugh und Susanne Schwerdtfeger. Frankfurt/ Main: mvg 2005. 288 Seiten, 8,90 Euro.
Jutta Gröschl
Mehr Informationen zu diesem Thema, sowie Hilfe finden Sie in der Privatklinik Dr. Amelung.





