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20.04.2009
Das Kennzahlensystem einer Balanced Scorecard

Factoring als Methode zur Verbesserung von Finanzkennzahlen

Kaum ein KMU –egal welcher Branche– beklagt sich nicht über eine immer schlechtere Zahlungsmoral seiner Kunden und den immer größeren und nervenaufreibenderen Zeitaufwand für Mahnwesen, „Hinterhertelefonieren“ und Rechtsanwaltsgespräche. Außer diesem Ärger, der lähmend auf das Tagesgeschäft wirkt, verschlechtert sich die Liquidität fortlaufend, der Dispo-Zins steigt aufgrund schlechteren Ratings in astronomische Höhen oder wird gar nicht mehr gewährt. Factoring ist ein wirkungsvolles Finanzierungsinstrument, um diesen Problemen konsequent aus dem Weg zu gehen und sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.

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Beim echten Factoring werden die Forderungen eines Unternehmens an eine Factoring-Firma (Factor) verkauft, um sofort über liquide Mittel zu verfügen

Was ist Factoring ?

Beim echten Factoring werden die Forderungen eines Unternehmens an eine Factoring-Firma (Factor) verkauft, um sofort über liquide Mittel zu verfügen.

Die genaue Ausgestaltung der Zusammenarbeit wird in einem Factoring-Vertrag geregelt. Hierbei ist der Factor keineswegs bereit, jedwede Forderung ungeprüft zu übernehmen und sich damit einem möglichen hohen Ausfallrisiko auszusetzen. Deshalb führt der Factor regelmäßig über jeden Debitor des Unternehmens eine umfangreiche Bonitätsprüfung durch, und dies in der Regel schon vor der Rechnungsstellung.

Ergeben sich hierbei negative Hinweise, wird der Factoringnehmer, also der Unternehmer, sofort darüber informiert und vor Geschäften mit diesem Kunden gewarnt oder aber z.B. Vorkasse-Regelungen empfohlen.

Sollte eine Forderung dennoch ausfallen, übernimmt der Factor das Ausfallrisiko, was sich rechtlich schon allein daraus ergibt, dass Gläubiger nicht mehr das Unternehmen, sondern der Factor ist.

Für diese und weitere damit verbundene Dienstleistungen stellt der Factor seinem Kunden eine Factoringgebühr in Rechnung, die von den Forderungsauszahlungen einbehalten wird. Diese setzt sich zusammen aus einem Factoringentgelt für die Überwachung der Forderung, einer Risikopauschale und Zinsen für die Vorfinanzierung.

In dieser Gebühr enthalten sind –je nach Ausgestaltung des Factoringvertrages– häufig weitere bedeutende Dienstleistungen wie die gesamte Debitorenbuchhaltung, das Mahn- und Inkassowesen, die Bonitätsprüfung von Kunden des Factoringnehmers etc.

Factoring bietet insbesondere klein- und mittelständischen Unternehmen mit begrenzter Kapitalausstattung, keiner eigenen Rechtsabteilung und nicht automatisiertem und auch konsequent umgesetztem Mahnwesen eine Fülle von Vorteilen, die sich in der Regel schon nach kurzer Zeit nachhaltig in den Finanz- und Renditekennziffern niederschlagen.

Umsatz wird sofort zu liquiden Mitteln

Sobald der Factor von seinem Kunden eine Kopie oder Fax einer Ausgangsrechnung erhalten hat, überweist er sofort einen Großteil der Rechnung an seinen Kunden (i.d.R. in maximal 48 Stunden), und zwar völlig unabhängig davon, ob der Debitor pünktlich zahlt oder nicht. Dabei wird i.d.R. die vertraglich vereinbarte Factoringgebühr einbehalten. Der Rest der Forderung wird beglichen, wenn der Debitor gezahlt hat.

Hierbei ist ein interessanter „Nebeneffekt“ in der Praxis zu beobachten: Sobald ein Factoringunternehmen als Gläubiger auftritt, zahlen Kunden (Debitoren) ungleich schneller. Das liegt vor allem daran, dass der Factor im Verzugsfall konsequent mahnt.

Viele Unternehmer kennen das Problem, dass eine Rechnung einfach „liegen bleibt“, weil das Tagesgeschäft Wichtigeres fordert als zu mahnen oder dem Kunden permanent nachzutelefonieren, z.B. Probleme auf einer Baustelle oder Kundenreklamationen etc. Einem Factor passiert dies nicht, weil Mahnwesen zu seinem Tagesgeschäft gehört und der Debitor vor einem solchen Gläubiger oftmals auch mehr Respekt hat.

Hierdurch fließen dem Unternehmen sofort liquide Mittel zu, deren Höhe ggf. schon in der Erstauszahlung ausreicht, um entstandene Vorkosten, z.B. für Lieferanten, Löhne etc. vollständig zu begleichen, ohne hierfür Fremdmittel (z.B. einen extrem teuren Dispositionskredit) in Anspruch nehmen zu müssen.

Skonto ziehen und trotzdem immer beliebter bei Lieferanten

Nicht genutzter Lieferantenskonto ist der teuerste Kredit. Der Zinseffekt bei einem Skonto von 3% bei Zahlung in 10 Tagen gegenüber 30 Tagen netto beträgt 54% jährlich. Für 20 Tage früheres Zahlen (30 Tage netto – 10 Tage Skontofrist, die selbstverständlich voll ausgeschöpft wird) werden 3% Nachlass gewährt. Auf das Jahr hochgerechnet bedeutet dies:

360 Tage ¸20 Tage =18 x 3% = 54% Jahreszins !

Auch wenn sich immer noch zu wenig Unternehmer Gedanken hierzu machen: Skonto auszulassen ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein katastrophales Versäumnis.

Aufgrund der permanenten Liquiditätszufuhr durch das Factoring kann ein Unternehmer diese Skontoeffekte stets nutzen. Der Lieferant büßt hierdurch zwar Umsatz ein, dieser Effekt ist aber kalkuliert und soll als Anreiz dienen, pünktlich zu bezahlen, denn auch der Lieferant benötigt seinerseits Liquidität. Wenn ein Kunden immer Skonto zieht, folgert ein Lieferant hieraus richtigerweise, dass dieser Kunde „flüssig“ ist und auf finanziell soliden Füßen steht.

Das bedeutet einen nachhaltigen Imagegewinn beim Lieferanten und kann dazu führen, dass z.B. ein höherer Skonto ausgehandelt werden kann (3,5 oder gar 4% = 72% Jahreszins). Darüber hinaus besteht im Zusammenhang mit größeren oder mehreren parallel laufenden Projekten in unregelmäßigen Zeitabständen ein stark steigender Materialbedarf (z.B. aus Sicht eines Trockenbauers beim Bau eines 10-Familienhauses). Da Lieferanten i.d.R. nur bis zu einem begrenzten Kreditlimit liefern, kann es zu Engpässen kommen, die wiederum den Auftraggeber (z.B. Bauträger, Kommune etc.) verärgern. Wer aber regelmäßig Skonto zieht, baut ein so starkes Vertrauensverhältnis zu seinen Lieferanten auf, dass diese auch in solchen Situationen liefern.

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Factoring bedeutet für ein KMU Mehr-Gewinn

Wie bereits erläutert, ist Factoring nicht kostenlos.

Neben der nicht unbedeutenden Tatsache, dass hierbei unmittelbar und sofort Liquidität zufließt und das Forderungsausfallrisiko wegfällt, ergeben sich aber mehrere direkte und indirekte monetäre Auswirkungen, die im Ergebnis dazu führen, dass Factoring faktisch nichts kostet und im Gegenteil mittelfristig sogar Gewinnsteigerungen auslöst.

Zunächst sind die Factoringkosten zu verbuchender Aufwand, also gewinnmindernd. Als direkte Gegenwirkungen sind neben anderen Effekten hervorzuheben:

  • Wegfall von Bankzinsen, insbesondere von sehr hohen Dispo-Zinsen. Die tatsächliche Ergebniswirksamkeit hängt davon ab, inwieweit zuvor z.B. auf einen Dispo-Kredit zugegriffen werden musste, um Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.
  • Wegfall von Forderungsausfällen: Der Umfang hängt u.a. von der jeweiligen Branche und Kundenstruktur des Unternehmens ab.
  • Wegfall von Kosten für Warenkreditversicherungen sowie Anwalts- und Gerichtskosten bei Klagen gegen säumige Kunden.
  • Wegfall oder Reduzierung der Debitorenbuchhaltung: Da die Forderung rechtlich an den Factor übergeht, übernimmt dieser die vollständige Debitorenbuchhaltung. Ein KMU-orientiertes Factoringunternehmen stellt seinem Kunden regelmäßige Übersichten über die Debitorenkontostände zur Verfügung. Damit entfällt auch die Überwachung von Debitorenzahlungen, da Zahlungseingänge nur noch vom Factor kommen. Die Zeitersparnis ist immens. Man kann davon ausgehen, dass dieser Effekt um so stärker ist, je weniger professionalisiert die Buchhaltung eines Unternehmens zuvor war.
  • Wegfall des Mahnwesens: Generell sind Mahnungen gegenüber seinen Kunden für jeden Unternehmer unangenehm, weil er befürchtet, das Verhältnis zum Kunden damit zu belasten. Das ist zwar unvernünftig, weil eine erbrachte Leistung selbstverständlich auch fristgerecht zu bezahlen ist (das erwartet der Kunden seinerseits ja auch von seinen Kunden), der psychologische Effekt als solcher ist aber nicht zu leugnen. Viele Unternehmer werden diesen schon häufig erfahren haben. Das Outsourcing des Mahnwesens ist eine elegante Lösung. Kunden nehmen einen professionellen Factor i.d.R. ernster als „nur“ das liefernde Unternehmen. Zudem verfügen Factoring-Gesellschaften über sehr wirkungsvolle Mahnsysteme. Diese bauen jedoch nicht auf Druck, sondern auf Kooperation auf. Hier greift nämlich das symbiotische Prinzip: Es ist nicht im Sinne eines Factors, die Kunden seiner Kunden zu „vergraulen“, sondern stetiges Umsatzwachstum zu fördern, um selbst mit zu wachsen, das aber geht nur mit zufriedenen Kunden.
  • Vermeidung von Telefonaten und Korrespondenz: Mit dem Wegfall des Mahnwesens an sich entfallen auch all jene Tätigkeiten, die teilweise einige Stunden des Tagesgeschäftes beanspruchen können. Es ist nicht mehr erforderlich, nicht pünktlich zahlenden Kunden nachzutelefonieren, vertröstet zu werden, wieder nachzutelefonieren, Briefe und Faxe zu verschicken, die offene Rechnung immer wieder auf Wiedervorlage zu legen etc. Das übernimmt der Factor und beherrscht diese Prozesse perfekt, weil er damit im Unterschied zu seinen Kunden Geld verdient. Die freigesetzte Zeit kann und wird ein Unternehmer für wertschöpfende Aktivitäten nutzen, sei es in Form von Akquise, Wiederbelebung des Qualitätsmanagements, Neuausrichtung der Geschäftsprozesse etc.„Der Kopf ist frei“: Die o.g. Positivwirkungen haben einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Effekt, der in der Praxis von Betroffenen regelmäßig genau so beschrieben wird. Wenn permanent Geld pünktlich und damit tagesgenau planbar fließt, wenn all jene Tätigkeiten rund am das Thema „Kundenzahlungen“ entfallen, bewirkt dies eine echte, mentale Entspannung, weil es einfach ein paar evidente Sorgen weniger gibt. Dies hat zwei logische Effekte: Einerseits sinken Fehlerquoten, andererseits nehmen auch die eigenen Kunden den Gesinnungswandel wahr, den sie als positiv empfinden und dadurch zusätzliches Vertrauen in das Unternehmen gewinnen.Keine zeitraubenden Finanzierungsprobleme mehr: Auch diese Situation werden viele Unternehmer kennen: Ein Lieferant droht mit Nichtlieferung, wenn nicht kurzfristig bezahlt wird, die Löhne sind fällig oder aber die Sozialversicherungen etc. Leider ist aber der Dispo erschöpft und die Bank „dreht den Geldhahn zu“. Nun werden Tage darauf verwendet, z.B. durch erniedrigende Bankbesuche an die dringend benötigten liquiden Mittel zu gelangen, um laufende Projekte nicht zu gefährden. Abgesehen von dem hierdurch ausgelösten Stress geht auch hier viel Zeit verloren, die nicht für das eigentliche Kerngeschäft genutzt werden kann. Dieser gesamte Problembereich entfällt mit einem Factoring, und zwar sofort.

Factoring führt zu positiven Bilanzeffekten und verbesserten Finanzkennzahlen

Rechtlich ist Factoring u.a. ein Kaufgeschäft (ebenso aber auch eine Dienstleistungsverpflichtung und Risikoübernahme seitens des Factors), weil der Factor die Forderungen und damit auch die Rechte daran von seinem Kunden ankauft. Im Endeffekt hat das Unternehmen damit nur noch einen Debitor, nämlich den Factor.

Da dieser aber unverzüglich zahlt und zudem auf finanziell sehr starken Säulen steht (Kerngeschäft des Factors), sowie u.a. aufgrund der o.g. Gewinneffekte sinken auf der Aktivseite der Bilanz die Forderungen, während auf der Passivseite die Verbindlichkeiten sinken, weil (Dispositions-)Kredite rasch abgebaut und Lieferanten immer schneller bezahlt werden können.

Zudem gibt es keine Forderungsausfälle mehr. Das bedeutet eine Bilanzverkürzung, wobei sich das Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital nachhaltig verbessert: Der Fremdkapitalanteil sinkt, mittelfristig kann zusätzliches Eigenkapital aufgebaut werden und damit steht das Unternehmen finanziell dauerhaft und krisensicher auf einer gesunden Basis.

Dies führt zu einer Verbesserung der meisten Finanzkennzahlen. Aufgrund der Bilanzverkürzung verbessern sich die Gesamtkapitalrentabilität und die Kennzahlen zum Kapitalumschlag. Damit verbessert sich aber als eine der zentralen Finanzkennziffern zugleich auch der ROI (Return On Investment).

Dasselbe gilt für den Cash-Flow, der infolge der verbesserten Kapitalstruktur und der sinkenden (im Idealfall sogar wegfallenden) Fremdkapitalzinsen steigt. Das wiederum reduziert nachhaltig den Verschuldungsfaktor und bedeutet damit den wirkungsvollsten Schutz vor finanziellen Schieflagen oder gar Insolvenzen.

Aus diesen Effekten resultiert eine deutlich günstigere Bonitätsprüfung z.B. aus Sicht von Banken und damit auch zu einer Aufwertung im Rating nach BASEL II. Das hat zur Folge, dass der Zugang zu Fremdkapital für das Unternehmen z.B. für eine umsatzsteigernde Investition erheblich erleichtert wird, die Kosten, also Zinsen hierfür jedoch aufgrund des verbesserten Rating sinken. Factoring dient hiermit also auch unmittelbar zur Umsatzsteigerung.

Genau diesen Zweck – Umsatzsteigerung seiner Kunden - verfolgt aber der Factor, weil dieser wiederum am Erfolg seines Kunden partizipiert – eine perfekte Symbiose.

Factoring macht fit für eine erfolgreiche Zukunft

In Summe kann festgehalten werden, dass Factoring für viele klein- und mittelständische Betriebe eine echte Bankalternative ist.

In vielen Fällen ist Factoring nicht nur billiger als ein Bankkredit, sondern faktisch kostenneutral und führt bei entsprechenden unternehmerischen Qualitäten sogar zu Umsatzwachstum und nachhaltiger Stabilität.

Viele Effekte sind nach außen sichtbar, die Bilanzstruktur verändert sich positiv, finanziellen Schieflagen wird langfristig vorgebeugt, nahezu alle Kennzahlen der finanziellen Perspektive verbessern sich.

Die Folgen sind u.a. ein verbessertes Rating und Imagegewinn bei Kunden, Lieferanten, aber auch potenziellen Fachkräften, die eher in ein Unternehmen gehen, in dem sie (finanzielle) Sicherheit erwarten können.

 

Burkhard Rüth