Der Schritt in die Selbstständigkeit
Wirtschaftslage im arbeitgebenden Unternehmen wird immer schwieriger und undurchsichtiger - desto mehr denken einzelne Führungskräfte darüber nach, eine eigene Firma zu gründen. Noch leichter fällt die Entscheidung für diesen Weg, wenn sie in ihrem Berufsalltag Erfahrungen und Fertigkeiten gewonnen haben, die sie nun in einer Selbstständigkeit nutzen können.

Mehr Mut zur Selbstständigkeit
Bevor sie tatsächlich diesen Weg gehen, erstellen die Existenzgründer selbstverständlich einen Business-Plan für die Banken bzw. die Vergabestellen für Fördermittel.
Ebenso selbstverständlich sollte es aber auch sein, sich klar mit der neuen Rolle – nämlich die des Unternehmers – auseinanderzusetzen.
Nur so vermeiden sie, dass sie irgendwann mit einer Vielzahl von Problemen gleichzeitig konfrontiert werden.
Hierzu zählen z. B. …
- nörgelnde Kunden,
- unmotivierte Mitarbeiter,
- eine schlechte Finanzsituation,
- 80-Stunden-Wochen und
- private Konflikte.
Starten Sie richtig
In jedem Unternehmen gibt es prinzipiell drei verschiedene Rollen: Fachkräfte, Manager und Unternehmer.
Bildliches Beispiel
Angenommen Sie sind in einem Dschungel, dann gibt es Leute, die hacken mit ihren Macheten den Weg frei. Das sind die Fachkräfte. Ohne diese kommt man nicht vorwärts. Dann gibt es welche, die dafür sorgen, dass alle in die gleiche Richtung und mit derselben Geschwindigkeit hacken und ausreichend Macheten und Nahrung da sind. Das sind die Manager. Und es gibt einen, der oben im Baum sitzt und runter ruft: „Hey Leute, wir sind im falschen Wald.“ Das ist der Unternehmer.
Vielleicht erinnern Sie sich an die Zeit, bevor Sie Führungskraft wurden: Sie waren zunächst eine Fachkraft. Die meisten Gründer sind ebenfalls zunächst Fachkräfte – also z. B. ein Programmierer oder ein Steuerberater, der sich selbstständig macht.
Wenn die Gründer darin gut sind, dann wächst das Unternehmen. Und auf einmal sind da …
- neue Mitarbeiter, die koordiniert werden wollen, und
- neue Aufgaben, die auf den Unternehmer zu kommen.
Eigentlich dürfte er jetzt nicht mehr programmieren, sondern müsste – um auf das bildliche Beispiel zurückzukommen, auf den Baum steigen – seine Unternehmeraufgaben wahrnehmen. Das Problem: Die meisten Gründer kennen diesen Rollenwechsel überhaupt nicht. Zweitens machen sie ihre Fachkraftaufgaben gerne und drittens haben sie keine genaue Vorstellung davon, was die Aufgaben eines Unternehmers eigentlich sind.
Führungskräfte sind und bleiben Angestellte, Unternehmer besitzen dagegen eine eigene Firma. Das hat vielfältige Konsequenzen:
- Beispiel Karriere: Eine Führungskraft orientiert sich immer an Vorgesetzten. Ein Unternehmer hat nie Vorgesetzte.
- Beispiel Krise: Ein Manager kann das sinkende Schiff verlassen. Ein Unternehmer geht fast immer nach einer Unternehmensinsolvenz auch in die private Insolvenz.
Wenn also die Rolle einer angestellten Führungskraft irgendetwas mit der Rolle eines Unternehmers zu tun hätte, dürften Manager, die selbst ein Unternehmen gründen, nicht so häufig scheitern wie Nicht-Manager. Das tun sie aber.
Schaffen Sie etwas mit Zukunft
Wenn Sie als Unternehmer tätig sein wollen, verabschieden Sie sich vom Glaubenssatz: „Egal was kommt: Ich muss es selbst lösen.“
Als Unternehmer können Sie nicht mehr alles selbst lösen. Ansonsten sehen Sie sich schnell mit den eingangs erwähnten Problemen konfrontiert.
- War Ihre Haupttätigkeit als Führungskraft, auf Kundenwünsche zu reagieren, müssen Sie sich nun vor allem an der Zukunft orientieren.
- Haben Sie früher Mitarbeiter direkt geführt, müssen Sie sich nun darauf verlassen können, dass neue Kollegen so gut eingearbeitet sind, dass sie die übertragenen Aufgaben optimal erfüllen.
- Als Fachkraft haben Sie eine Ware produziert oder eine Dienstleistung angeboten. Als Unternehmer produzieren Sie allein Ihr Unternehmen.
Übersetzt bedeutet dies: Die Hauptaufgabe des Gründers ist es, dafür zu sorgen, dass sein Unternehmen immer eine Zukunft hat. Infolgedessen muss er sich auch schon frühzeitig Gedanken um seinen Nachfolger machen.
- Schließlich verkörpert Ihre Firma mit Sicherheit bestimmte Werte, die Sie auch nach Ihrem Ausscheiden erhalten wissen möchten.
- Zudem wollen Sie wahrscheinlich nicht, dass Ihre Gründung nach und nach zusammenbricht, sobald Sie nicht mehr alles lenken.
Ihre zentrale (und einzige) Aufgabe als Unternehmer ist also, ein Unternehmen mit einem möglichst großen Nutzen für Ihren Nachfolger zu schaffen.
Erkennen Sie Ihre Aufgaben als Unternehmer
Wenn es Ihnen gelingt, den dargestellten Perspektivenwechsel von der Fach- bzw. Führungskraft zum Unternehmer zu vollziehen, können Sie auch …
- für sich Ihre neue Rolle genau bestimmen und
- die Tätigkeiten, die dazu notwendig sind, beschreiben (s. Übersicht auf Seite 4). Schließlich verfügen Sie nun über ein klares Kriterium, ob Sie als Unternehmer Ihre persönlichen Aufgaben gut oder schlecht erfüllen.
Meine Empfehlung:
Die engpassorientierte Verhaltens- und Führungsstrategie EKS wurde in den späten 50er bis Anfang der 70er Jahre von Wolfgang Mewes entwickelt und ist die strategische Grundlage vieler Erfolge von heutigen Weltmarktführern wie Würth, Kärcher, Rational usw. Mehr Informationen dazu finden Sie in folgenden Büchern:
Wolfgang Mewes: Mit Nischenstrategie zur Marktführerschaft, Bd. 1 (2000) + Bd. 2, (2001).
Kerstin Friedrich, Lothar J. Seiwert und Edgar K. Geoffrey: Das neue 1x1 der Erfolgsstrategie: EKS-Erfolg durch Spezialisierung, 2006.
Stefan Merath: Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer. Wie Sie und Ihr Unternehmen neue Dynamik gewinnen, 2008.
Sie profitieren!
Der Erfolg spricht für sich: Unternehmer, die innerhalb von drei Monaten den Anteil ihrer Fachkraftaufgaben von 95 % auf 20 % reduziert haben, haben trotz Krise einen Umsatzanstieg um 30 % bis 50 % in sechs Monaten verzeichnet.
Außerdem erhalten die Ideen wieder Lebenskraft. Und in den Unternehmeraugen ist ein Strahlen zu sehen, weil beispielsweise …
- ein T-Shirt-Produzent sich nicht mehr in organisatorischen Details verliert, sondern jetzt die Zugehörigkeit zu einer Szene verkauft, oder
- ein Software-Hersteller nicht mehr in Bits und Bytes denkt, sondern Bildung erlebbar macht.
Übung:
Ein Mitarbeiter kommt zu Ihnen und stellt eine Idee vor, wie eine Aufgabe in Ihrem Bereich einschneidend verbessert werden kann. Wie verhalten Sie sich, wenn Sie seinen Vorschlag prinzipiell für sinnvoll erachten?
- Sie halten zunächst Rücksprache mit Ihrer Geschäftsleitung.
- b) Sie genehmigen ihm, diese Idee zunächst probeweise für einen festgelegten Zeitraum umzusetzen.
Jutta Gröschl




