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03.06.2009
Stolpersteine bei der Existenzgründung, Teil 3

Kapitalbedarf, Finanzierung und Bankgespräch

Auch wenn es teilweise recht gute Zugangsmöglichkeiten zu günstigen Existenzgründungsdarlehen gibt – die Finanzierung eines Vorhabens ist eine Hürde. Vor allem dann, wenn der Gründer kaum über Eigenmittel verfügt. Ein Bankgespräch ist in den meisten Fällen eher unangenehm, in diesen Krisenzeiten sogar in besonderem Maße.

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Es muss nicht immer die klassische Finanzierung durch die Hausbank sein

Stolperstein Kapitalbedarf und Finanzierung

Der Kapitalbedarf einer Gründung hängt selbstverständlich von der geplanten Branche ab.

Wer ein Autohaus betreiben möchte, hat einen sehr hohen Kapitalbedarf, wer einen Büroservice anbietet, einen vergleichsweise niedrigen.

Dementsprechend bedeuten investitionsintensive Vorhaben entsprechend höhere Risiken, auch und vor allem in Bezug auf die daraus resultierenden Liquiditätsbelastungen durch Tilgung und Zins (Kapitaldienst).

Je höher der Investitionsbedarf ist, desto sicherer muss sich der Gründer in bezug auf seine Umsatzplanung sein. Zudem verlangen die Banken in der Regel einen Eigenanteil, also Eigenkapital in Höhe von 15 bis 20 Prozent der Finanzierungssumme sowie Sicherheiten.

Der Anteil des Eigenkapitals am gesamten Startkapital beeinflusst die Einschätzung der Bonität der Unternehmen durch die Bank (Basel II) und hat damit Einfluss auf die Kreditkonditionen.

Eigenkapital statt Fremdkapital: Business Angels

Neben der klassischen Finanzierung einer Gründung durch die Hausbank gibt es alternative Finanzierungsmöglichkeiten, die im Einzelfall realisierbar sein könnten.

Besonders interessant ist die Organisation der Business Angels. Ein Business Angel ist ein privater (Eigen-) Kapitalgeber, der sich aus mehreren Gründen an einem Start-up beteiligen kann.

Ein Business Angel ist häufig ein „gestandener Geschäftsmann“, der alle seine beruflichen und finanziellen Ziele erreicht hat. Neben eigenen Zielen verfolgt er aber auch das durchaus altruistische Ansinnen, jungen Unternehmern und Gründern zu helfen, ebenfalls einen erfolgreichen Weg einschlagen zu können.

Zu diesem Zweck stellt er zweierlei zur Verfügung:

  • Kapital, und zwar meistens in der Form von Eigenkapital, d.h. der Business Angel beteiligt sich am Start-up. Das bedeutet zwar, dass der Gründer in seinen Entscheidungen nicht mehr völlig unabhängig ist, dafür hat er aber keinerlei finanzielle Risiken, denn diese liegen beim Business Angel.
  • Zudem fungiert der Business Angel weniger als „Chef“ oder Geschäftsführer, sondern vielmehr als Coach und Berater. Als erfahrener Unternehmer oder leitender Angestellter verfügt er über weitreichendes Know How und häufig über konkrete Kontakte, die für den Gründer sehr nützlich sein können.

 

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Immerhin haben die Business Angels im Jahr 2007 rund 400 Mio. Euro in Start-ups investiert. Da diese Investitionen Eigenkapital-Charakter haben, sind die Kapitalgeber am Unternehmen beteiligt.

Insofern verfolgt ein Business Angel also auch eigene monetäre Interessen, weil er von der Wertsteigerung des Unternehmens profitieren möchte. Schon deshalb ist sein Engagement entsprechend hoch, so dass viele Fehler, die Gründern typischerweise unterlaufen, vermieden werden können.

Allerdings investieren die meisten Business Angels, die im übrigen in Verbänden bestens organisiert sind, nicht in jede Branche. Da sie vom Wachstum des Unternehmens profitieren möchten, haben Start-ups in typischen Wachstumsbranchen, z.B. IT, bessere Chancen als „Klassiker“.

Grundvoraussetzung für ein Engagement eines Business Angel ist, wie bei einer Bank auch, ein guter, überzeugender Business-Plan, idealerweise ergänzt durch eine anschauliche Präsentation.

Wenn Sie sich als Gründer in einer Wachstumsbranche für eine solche Finanzierung interessieren, sprechen Sie Ihren Berater darauf an oder wenden sich direkt z.B. an das Business Angels Netzwerk Deutschland.

Stolperstein Bankgespräch 

Da Banken inzwischen mögliche Kredite nur noch nach strengen Regeln vergeben, Stichworte Rating und Basel II, sind ein überzeugender Auftritt sowie ein ebenso überzeugender Geschäftsplan äußert wichtig für die Kreditverhandlungen.

Zu den Unterlagen, die die Bank normalerweise sehen möchte, zählen zudem Lebenslauf und Zeugnisse des Gründers, eine Selbstauskunft zu sonstigen Einnahmen, ggf. auch des Ehepartners, laufende Ausgaben, eine Vermögensaufstellung, vor allem für mögliche Sicherheiten, z.B. eine Immobilie, eine Schufa-Auskunft sowie eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamtes. Letztere bescheinigt, dass es keine Steuerrückstände des Steuerpflichtigen gibt.

Wer so gut vorbereitet in Bankgespräche geht, hat wesentliche bessere Chancen auf einen Kredit zu guten Konditionen. Neben der klassischen Hausbank gibt es aber auch noch spezielle Förderprogramme für Existenzgründer, die z.B. von der KfW-Bank aufgelegt werden.

Sie sollten Ihre Bank darauf ansprechen, denn diese Kredite sind günstiger als klassische Bankkredite mit häufig niedrigeren Zinssätzen, tilgungsfreien Jahren etc. Ihr Berater wird sie über diese Möglichkeiten informieren.

Wichtig ist, dass Sie sich von dem Wust an Unterlagen, den Sie zusammenstellen müssen und den möglicherweise etwas unangenehmen Bankgesprächen nicht verunsichern lassen, sondern auch diese Hürde mit der nötigen Gelassenheit nehmen.

 

Burkhard Rüth