Die Renditekennzahlen
Das Hauptziel eines Unternehmens ist die Erzielung maximaler Renditen aus dem Einsatz von Kapital. Renditekennzahlen sind von daher unverzichtbarer Bestandteil eines Controllingsystems. Ein Kapitalgeber, der sein Geld in ein Unternehmen investiert, wird mindestens die Kapitalrendite erzielen wollen, die er bei einer alternativen Anlageform erzielen könnte.

Renditekennzahlen
Kapitalgeber kann der Unternehmer selbst sein (z.B. als Einzelunternehmen), mehrere Personen (z.B. GbR) oder auch eine Vielzahl kleinerer Anleger (z.B. eine börsennotierte AG). Da die Eigenkapitalgeber im Fokus stehen, wird diese Kennzahl auch als Unternehmerrentabilität bezeichnet.
Sie alle möchten wissen, wie rentabel ihr Unternehmen ist. Renditekennzahlen sind hierfür bestens geeignet, denn sie setzen das erzielte Ergebnis in Relation zum eingesetzten Kapital.
Im Folgenden werden die gängigsten Renditekennzahlen erklärt. Grundlage sind bei konkreten Rechenbeispielen die folgende Beispielbilanz und Beispiel GuV:
Abb. 1: Bilanzbeispiel
Abb. 2: Beispiel GuV
Die Eigenkapitalrendite ist die Verzinsung des eingesetzten (eigenen) Kapitals. Sie ist eine der interessantesten Renditekennzahlen für Eigentümer und Aktionäre.
Der jeweilige Jahresgewinn wird hierbei dem Eigenkapital nicht zugerechnet, da ja gerade die Verzinsung des ursprünglich eingesetzten Kapitals errechnet werden soll. Für unser Muster-Unternehmen ergeben sich folgende Werte:
| 2007 IST |
2008 IST |
2009 PLAN |
| 33,33% | 38,46% | 33,33% |
Die Eigenkapitalrendite ist in diesem Beispiel sehr hoch. Allerdings ist diese hohe Eigenkapitalrentabilität nicht zwangsläufig positiv. Diese Kennzahl ist –wie im Übrigen sämtliche Kennzahlen!- branchenabhängig und muss von daher im Benchmark analysiert werden. Entsprechende Zahlen sind z.B. bei Verbänden, Kammern etc. erhältlich.
Wenn der Wert im Zeitablauf stetig steigt, deutet dies allerdings auf eine gute Unternehmensführung hin.
Informativer als die Eigenkapitalrendite ist jedoch die Gesamtkapitalrendite. Sie stellt ein objektiveres Bild der Leistungsfähigkeit des gesamten Unternehmens dar, weil nicht zwischen unterschiedlichen Finanzierungsarten unterschieden wird. Denn der Unternehmenserfolg ist in der Regel stark abhängig von Fremdkapital. Aus Sicht der Fremdkapitalgeber stellen die erzielten Fremdkapitalzinsen die Rendite dar. Deshalb muss der bilanzielle Gewinn um die Fremdkapitalzinsen erhöht werden.
Die Werte des Musterunternehmens:
| 2007 IST | 2008 IST | 2009 PLAN |
| 12,28% | 13,57% | 14,73% |
Mehr noch als die Eigenkapitalrendite zeigt diese Kennzahl, dass das Musterunternehmen auf einem guten Weg ist, denn die Rendite des Gesamtkapitals steigt kontinuierlich an. Dies ist kein Zufall, sondern kann auf gezielte Unternehmenspolitik zurück geführt werden.
Die Kapitalrenditen müssen allerdings generell sehr genau interpretiert werden. Sie sollen Aussagen zur Ertragskraft eines Unternehmens machen. Der Ausweis außerordentlicher Aufwendungen oder Erträge z.B. kann zu einer Verzerrung des Bildes führen.
Je nach Gesamtkapitalrendite eines Unternehmens kann eine zusätzliche Aufnahme von Fremdkapital sogar zu einer Steigerung der Eigenkapitalrendite führen. Das ist immer dann der Fall, wenn, wie bei unserem Musterunternehmen, die Eigenkapitalrendite höher ist als die Gesamtkapitalrendite und damit höher als der Fremdkapitalzins. Denn mit zusätzlich aufgenommenem Fremdkapital kann somit zumindest theoretisch mehr zusätzlicher Ertrag erzielt werden als Zinsen aufgewendet werden müssen. Man bezeichnet diesen Effekt als Leverage-Effekt. Fällt die Gesamtrentabilität jedoch unter den Fremdkapitalzins, wirkt der Leverage mit umgekehrtem Vorzeichen und kann ein Unternehmen sogar in eine Krise führen. Insofern ist hier also Vorsicht geboten.
Umsatzmaximierung ist ein grundsätzliches Unternehmensziel. Dieses zunächst begrüßenswerte Ziel erung trägt jedoch nur dann nachhaltig zum Unternehmenserfolg bei, wenn mit dem Umsatz auch Renditen erzielt wurden. Das Maß dieser Rendite ist die Umsatzrentabilität:
Die Werte des Musterunternehmens:
| 2007 IST | 2008 IST |
2009 PLAN |
| 10,00% |
11,90% |
13,64% |
Auch hier zeigt unser Musterunternehmer eine kontinuierliche Verbesserung. Es erzielt nicht nur wachsende Umsätze, sondern benötigt immer weniger Aufwand, um diese Umsätze zu erzielen. Dies ist auf gezielte Programme zurückzuführen, z.B. ein Projekt zur Optimierung der Vertriebsprozesse, bessere Maschinen (darauf könnte der signifikante Anstieg der Sachanlagen in 2008 hindeuten) oder gezielte Schulungsmaßnahmen.
Zu den ebenfalls verbreitet eingesetzten Renditekennziffern gehören die Kennzahlen zum Kapitalumschlag. Diese geben an, in welchem Zeitraum das Eigen- oder Gesamtkapital einmal umgeschlagen wurde, sprich den Zeitraum, bis sich das eingesetzte Kapital einmal in Form von Umsatz umgesetzt hat. Neben der Umschlagsdauer kann auch die Umschlaghäufigkeit des Kapitals berechnet werden. Berechnungsgrundlage ist das durchschnittliche Gesamtkapital:
Bei Verwendung dieser Formel erfolgt eine Berechnung in Form von Jahren. Die Umschlagdauer könnte also z.B. 0,05 Jahre sein. Sinnvoller ist i.d.R. die Angabe von Tagen. Dies geschieht, indem der Nenner mit der finanzmathematischen Anzahl der Jahrestage (360) multipliziert wird:
Die Umschlagdauer des Gesamtkapitals hängt wie alle Kennzahlen erheblich von der jeweiligen Branche ab. Das Gesamtkapital einer Beratungsgesellschaft wird schneller umgesetzt als das eines Kraftwerksbetreibers.
Bei der Berechnung der Umschlaghäufigkeit des Kapitals müssen lediglich die Größen in Zähler und Nenner getauscht werden:
Die Werte des Musterunternehmens:
| 2007 IST | 2008 IST | 2009 PLAN |
| 0,70 | 0,75 | 0,80 |
Diese Kennzahl gibt an, wie häufig das Gesamtkapital innerhalb eines Geschäftsjahres umgeschlagen wurde. Unter Berücksichtigung des jeweiligen Branchenvergleichs gilt, dass Rentabilität und Liquidität umso besser sind, je häufiger bzw. schneller das (Gesamt-) Kapital umgeschlagen wurde, weil dann die Nutzung des Kapitals umso intensiver war.
Die aussagekräftigste Renditekennzahl ist der Return on Investment (ROI). Denn hier wird die Kapitalrentabilität als das Verhältnis des erzielten Gewinns (oder Verlustes) zum eingesetzten Kapital bestimmt. Der ROI gilt als Oberbegriff sowohl für die Eigenkapitalrendite (Return on Equity, kurz ROE) als auch für die Gesamtkapitalrendite (Return on Assets, kurz ROA).
Für die Berechnung des ROI wird in Zähler und Nenner der Umsatz ergänzt:
Durch diese Erweiterung des Bruches bleibt das Gesamtergebnis unverändert, jedoch können zusätzliche Informationen daraus gewonnen werden: Der ROI zeigt einerseits die Umsatzrentabilität an, andererseits aber auch die Umschlagshäufigkeit des Kapitals.
Der Return on Investment entspricht zwar aufgrund der Kürzbarkeit des Umsatzes im Ergebnis der Kapitalrentabilität, er zeigt aber gleichzeitig bereits die Ursache einer Verbesserung oder Verschlechterung der Rendite.
Die Werte des Musterunternehmens in Bezug auf das Gesamtkapital (ROA):
| Jahr |
Kapital |
Umsatz | Gewinn |
|---|---|---|---|
| 2007 IST |
2.850 |
2.000 | 200 |
| 2008 IST |
2.800 | 2.100 | 250 |
| 2009 PLAN |
2.750 | 2.200 | 300 |
| Jahr | Umsatzrentabilität | x | Kapitalumschlag | = | ROI |
|---|---|---|---|---|---|
| 2007 IST |
10,00 % |
x | 0,70 | = |
7,00 |
| 2008 IST |
11,90 % |
x | 8,93 | = | 8,93 |
| 2009 PLAN |
13,64 % |
x | 10,91 | = | 10,91 |
Der ROI unseres Musterunternehmens ist während des gesamten Betrachtungszeitraumes angestiegen, und zwar sowohl aufgrund einer sich permanent verbessernden Umsatzrentabilität als auch aufgrund des immer positiveren Kapitalumschlags. An beiden Stellschrauben wurde also nachhaltig gearbeitet, Ergebnis der o.g. Projekte und Maßnahmen.
Die Rentabilitätsschrauben, an denen ein Unternehmen grundsätzlich drehen kann, sind also eine Steigerung des Umsatzes, solange die Kosten nicht mehr als proportional ansteigen, die Steigerung der Umsatzrendite bspw. durch Kostensenkungsprogramme oder eine Erhöhung der Ausbringungsmenge bei konstanten bzw. unterproportional wachsenden Fixkosten.
Der Kapitalumschlag kann im Einzelfall auch durch Eingriffe in das Anlagevermögen erhöht werden, z.B. durch Schließung einer nicht mehr rentablen Fertigungsanlage. Ferner auch durch die Reduzierung von Lagerbeständen bis hin zum Übergang zu just-in-time Bestellungen.
Autor: Burkhard Rüth




