So hilft das Ideenmanagement bei der Qualitätssteigerung
Verbesserungen an Produkten und Abläufen resultieren häufig aus den Ideen der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Oftmals werden dadurch beachtliche Kosten eingespart, Kundenwünsche besser erfüllt und die Ziele schneller erreicht. Doch auch die beste Idee kann sich nur dann positiv auswirken, wenn das interne Ideenmanagement stimmt, die Vorgesetzten dahinter stehen und die Mitarbeiter keine negativen Auswirkungen befürchten. Nehmen Sie deshalb Ihr Betriebliches Vorschlagswesen genau unter die Lupe.

Das Ideenmanagement soll zu Innovation und Qualitätssteigerung führen
Ideenmanagement darf nicht zur Verwaltung von Ideen verkommen
Das Betriebliche Vorschlagswesen (BVW) soll zu Innovationen und Qualitätssteigerung führen, doch es gilt oftmals als umständlich, verstaubt, zu bürokratisch und passiv.
In vielen deutschen Betrieben herrscht noch ein schlechtes Bild von dem Betrieblichen Vorschlagswesen:
Innovative Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssten dabei umfangreiche, komplizierte Formulare ausfüllen, diese in eine mit „Vorschläge hier einwerfen“ beschriftete Box stecken und hörten erst nach langer Zeit wieder etwas davon, wenn überhaupt.
In der Regel erhielten sie eine Absage, denn der Vorschlag sei finanziell nicht rechenbar, entspreche nicht der Firmenpolitik oder würde niemals von einem Kunden akzeptiert. Die Beurteilung der Ideen erfolge durch einige wenige Personen, die aus Sicht der Vorschlagenden gar nicht die Kompetenz besitzen, die Ideen Dritter zu beurteilen.
Dieses Bild ist ohne Frage zu negativ, doch es enthält einige Punkte, die durchaus in manchem Betrieb zutreffen werden. So können gute Ideen bereits im Keim erstickt werden, bevor sie überhaupt eingereicht werden.
Unternehmenskultur kann Ideen fördern oder blockieren
„Kommen Sie schon wieder mit einer neuen Idee? Sie sind wohl nicht ausgelastet, oder?“, empfängt der Abteilungsleiter einen seiner Mitarbeiter, der bereits mehrere Verbesserungsvorschläge eingebracht hat, auf die er jedoch bislang keine Resonanz erhalten hat.
Kein Wunder, denn die Vorschläge schlummern in der Schublade des Vorgesetzten oder sind gleich in den Papierkorb gewandert. Kein Wunder wäre es auch, wenn dieser aufmerksame Mitarbeiter in Zukunft keine Ideen zur Verbesserung der Produkte oder Prozesse einreicht. Eine solche Situation kann fatal für ein Unternehmen sein.
Wenn die Entwicklung von neuen Ideen blockiert oder zumindest nicht gefördert wird, kann dem Unternehmen wichtiges Potenzial seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verloren gehen. Ein innovationsfeindliches Unternehmensklima führt sogar in vielen Fällen zur Inneren Kündigung weiter Teile der Belegschaft.
Führungskräfte müssen für Ideen der Mitarbeiter offen sein
Wenn Sie sich das Betriebliche Vorschlagswesen in Ihrem Unternehmen genau ansehen, werden Sie in der Regel feststellen, dass aus den einzelnen Bereichen und Abteilungen unterschiedlich viele Verbesserungsideen stammen.
Da die eingereichten Ideen jedoch bereichsübergreifend sein können, kann dies nicht allein an den unterschiedlichen Aufgaben der Abteilungen liegen, zumal in der Regel Potenzial für Verbesserungen in allen Bereichen besteht.
Vielmehr findet das unterschiedlich stark ausgeprägte Vorschlagswesen oftmals in dem Führungsstil des betreffenden Vorgesetzten seinen Ursprung. Die Offenheit und Motivation der Führungskräfte sind somit entscheidend für das Gelingen des internen Ideenmanagements. Dabei muss diese Offenheit von der obersten Leitungsebene vorgelebt werden und sich bis auf die untere Managementebene fortpflanzen.
Im Idealfall ist der Gruppenleiter ein gutes Beispiel für seine Gruppenmitglieder und reicht selbst regelmäßig Verbesserungsvorschläge und Produktideen ein.
Auch die Mitarbeiter müssen motiviert werden
Sie werden jedoch auch feststellen, dass einzelne Mitarbeiter bei gleicher Qualifikation mehr Vorschläge einbringen als andere. Das ist natürlich kein Zeichen dafür, dass diese Mitarbeiter mit ihren Ideen versuchen, sich selbst Beschäftigung zu verschaffen, um einem Leerlauf vorzubeugen.
Vielmehr haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die keine Vorschläge machen, entweder Bedenken oder sind unter Umständen in ihrer Denkweise inzwischen eingeengt, sprich betriebsblind.
Zu den typischen Hemmnissen im Ideenmanagement auf Seiten der Mitarbeiter zählen:
- eine negative Einstellung zu den Vorgesetzten oder dem Unternehmen generell
- die Angst, sich mit einem Vorschlag lächerlich zu machen
- die Furcht, sich selbst oder die Kollegen wegzurationalisieren
- oder auch die Sorge, dass die eigenen Ideen im Wettbewerb mit den Vorschlägen des Vorgesetzten stehen könnten.
Werben Sie für das Ideenmanagement
Viele Hemmnisse entstammen aus einer falschen Vorstellung über das Vorschlagswesen oder über den Wert der eigenen Ideen an sich.
Es macht also Sinn, dass Sie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genau über die Hintergründe des Vorschlagswesens informieren und die Bedeutung von Ideen hervorheben. So sind Mitarbeiterideen etwa:
- eine Möglichkeit, die Wettbewerbsfähigkeit des Arbeitsgebers zu stärken, um letztlich den eigenen Arbeitsplatz abzusichern
- eine gute Möglichkeit, um auf sich aufmerksam zu machen, also den wahren Wert der Mitarbeit zu zeigen
- eine aktive Gestaltung des eigenen Arbeitsplatzes
- eine Chance, die eingefahrenen Bahnen zu verlassen und in anderen Bereichen neben der täglichen Arbeit tätig zu sein.
Informieren Sie über das genaue Vorgehen
Damit nicht gute Ideen alleine schon daran scheitern, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gar nicht wissen, wie sie diese einbringen können, sollten Sie das Firmen-Intranet, Aushänge und Rundschreiben nutzen, um gezielt über das Verfahren zu informieren, sei es
- das klassische Betriebliche Vorschlagswesen, bei dem einzelne Mitarbeiter ihre Ideen bei einem zentralen Ideenmanager oder dezentral bei dem jeweiligen Vorgesetzten in Form von Formularen abgeben
- eine spezielle Intranet-Maske, in die man seine Ideen eintragen kann, um sie an die zuständige Stelle elektronisch zu übertragen
- die Teilnahme an einem Qualitätszirkel, also an moderierten Kleingruppen, die Problemfelder aufspüren und Lösungen für bestimmte Bereiche suchen
- oder eine vollständig dezentrale Variante, bei der alle Mitarbeiter Vorschläge machen können, die der gesamten Belegschaft im Intranet zur Abstimmung vorgestellt werden.
Prämien sind nicht alles
In den meisten Fällen wird das Ideenmanagement mit einem Prämiensystem verbunden. Prämien können durchaus einen Anreiz mit sich bringen, wobei Geldprämien deutlich beliebter sind als Sachprämien oder Gutscheine für Produkte des eigenen Betriebs.
Doch vielfach sehnen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fast noch mehr nach der Anerkennung durch den Vorgesetzten. Einen Mehrwert für das Unternehmensklima bringen auch Punktekonten, die die Mitarbeiter in gemeinsame Freizeitaktivitäten mit den Kollegen eintauschen können. Auch für die Wahl der Prämien sind also gute Vorschläge und Ideen gefragt.
Stimmt die eigene Idee vom Ideenmanagement?
Auch wenn das Betriebliche Vorschlagswesen in Deutschland langsam an Fahrt gewinnt, gibt es im internationalen Vergleich immer noch deutlichen Nachholbedarf. Vielleicht suchen Sie auch einmal nach Ideen und Vorschlägen zur Verbesserung Ihres Ideenmanagements.
In jedem Fall sollten Sie das bestehende Ideenmanagement genau hinterfragen und dabei unter anderem prüfen:
- Verstehen sich die Vorgesetzten als Coach ihrer Mitarbeiter?
- Wird das Anreizsystem (Prämien) von den Mitarbeitern akzeptiert?
- Werden die Vorschläge zügig bearbeitet und individuell beantwortet?
- Wie viele Vorschläge gehen pro Monat ein?
- Gibt es einzelne Bereiche oder Abteilungen, die besonders aktiv oder passiv im Ideenmanagement sind?
- Ist das Verfahren zur Abgabe der Vorschläge allen Mitarbeitern bekannt?
- Wie viele Vorschläge wurden bereits angenommen?
- Wie viele Vorschläge wurden dann auch tatsächlich umgesetzt?
- Wie sieht das Kosten-Nutzen-Verhältnis im Ideenmanagement aus (dabei unter anderem auch Prämien, direkte Einsparungen, direkte Umsatzauswirkungen und sinkende Qualitätskosten berücksichtigen)
Nur wenn die eigene Idee von einem guten Ideenmanagement stimmt, können Sie dafür sorgen, dass gute Vorschläge auch tatsächlich zum Erfolg führen.
Oliver Schonschek, www.schonschek.de
Herr Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.




