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09.09.2008
Internes Meldesystem

Warum Whistleblowing der Qualität hilft

Whistleblowing, also das Hinweisen auf interne Unregelmäßigkeiten im eigenen Betrieb, hat schnell den Ruf des Verpfeifens. Doch Whistleblower wollen nicht ihren Kolleginnen und Kollegen schaden, sondern Gefahr von den Unternehmen und den Kunden abwenden. Für ihre Hinweise auf unlautere Vorgehensweisen und Verstöße gegen die Unternehmenspolitik ernten Whistleblower heftige Kritik in den eigenen Reihen und werden oft zu Mobbing-Opfern. Es wird Zeit, ein neues Verständnis für Whistleblowing zu wecken und ein internes Meldesystem einzuführen, das zu mehr Courage im Unternehmen ermuntert und letztlich die Qualität steigern wird.

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Whistleblowing: Verpfeifen von Kollegen oder Hilfe für das Unternehmen

Das muss doch einer gemerkt haben

Wenn Sie von heimlichen Umweltverschmutzungen durch Betriebe, massiven Sicherheitsmängeln bei Produkten oder Betrug gegenüber Kunden in den Zeitungen lesen, denken Sie bestimmt häufig, es könne nicht sein, dass das keiner der Beschäftigten gemerkt hat.

Tatsächlich werden viele dieser Verstöße den Mitarbeitern der betroffenen Unternehmen viel früher aufgefallen sein als der Presse.

Meist sind es erst die Informanten aus den Betrieben, die die Medien auf den Missstand aufmerksam machen. Stellt sich die Frage, warum dies so wenige sind und warum solche Hinweise oft so spät oder gar nicht kommen.

Verpfeifen will keiner

Versetzen Sie sich einmal in die Lage solcher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Stellen Sie sich vor, Sie hätten zufällig entdeckt, dass die Kontrollen bestimmter Leitungen und Schläuche kaum oder nur auf dem Papier erfolgen. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis die Leitungen brechen und die schädlichen Substanzen in die Umwelt austreten und großen Schaden anrichten werden. Vielleicht werden Anwohner gefährdet und der Betrieb wird einen schweren Imageverlust erleiden. Vielleicht zahlt die Versicherung nicht und die Haftung treibt den Betrieb in die Insolvenz.

Was würden Sie tun, wenn Sie nicht gerade Qualitätsverantwortlicher wären, sondern ein Lagerarbeiter? Würden Sie den zuständigen Vorgesetzten, der die Kontrollen machen soll, darauf hinweisen? Würden Sie sich an die nächst höhere Ebene im Management wenden? Oder einfach abwarten, was passiert?

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Eine Kultur des Schweigens

Die meisten Kolleginnen und Kollegen würden wahrscheinlich wegschauen und schweigen. Warum ist dies so? Gründe, nichts zu tun und zu sagen, obwohl offensichtliche Fehler gemacht werden oder Unregelmäßigkeiten bestehen, gibt es viele:

  • Eine Kollegin oder einen Kollegen kann man doch nicht verpfeifen.
  • Die Vorgesetzten glauben mir sowieso nicht.
  • Ich werde keine glückliche Stunde mehr in dem Betrieb haben, Mobbing ist dann an der Tagesordnung.
  • Die Unternehmensleitung hat bestimmt selbst Kenntnis darüber und macht nichts dagegen.
  • An wen sollte ich mich denn wenden? Der Verursacher ist doch mein Vorgesetzter selbst.

Whistleblowing könnte viele Unternehmen retten

Kein Unternehmen möchte eine Kultur des Verpfeifens anstelle einer Kultur des Schweigens. Schließlich ist Vertrauen, Kollegialität und ein gutes Betriebsklima entscheidend für den langfristigen Erfolg. Aber Whistleblowing ist kein Anschwärzen, kein Verpetzen.

Vielmehr ist es das Hinweisen auf unerlaubte oder ungesetzliche Handlungen im eigenen Betrieb. Dadurch könnten zahlreiche Verstöße zutage kommen, die das Unternehmen früher oder später in Gefahr bringen, wie:

  • unterlassene Kontrollen
  • Diebstahl im Betrieb
  • Korruption
  • Betrug am Kunden und Arbeitgeber
  • gefälschte Statistiken und Abrechnungen
  • Umweltbelastungen
  • gefährliche Praktiken aus Sicht des Arbeitsschutzes
  • Nichtbeachtung des gesetzlichen Datenschutzes

Sorgen Sie für Aufklärung

Damit Qualitätsmängel, Sicherheitslücken und Gesetzesverstöße früher oder überhaupt einmal ans Tageslicht gelangen, sollten Sie für eine interne Aufklärung sorgen, die klarstellt, dass Whistleblower keine Denunzianten sind:

  • Whistleblowing ist kein Verpfeifen.
  • Whistleblower wollen sich nicht bei anderen rächen oder sich selbst in den Vordergrund stellen.
  • Whistleblower sind wichtige Zeugen, keine Ankläger.
  • Whistleblowing kann die Arbeitsplätze aller Beschäftigten schützen.
  • Es ist richtig, bei Verstößen das Schweigen zu brechen.
  • Whistleblowing bringt keine persönlichen Vorteile, darf aber auch keine Nachteile mit sich bringen.
  • Whistleblowing gehört zur Risikofrüherkennung und Qualitätssicherung.

Etablieren Sie ein internes Hinweissystem

Damit die noch wenigen Whistleblower eine Möglichkeit erhalten, wichtige Hinweise zu geben, sollte ein geschütztes internes Hinweissystem aufgebaut werden. Gibt es erst einmal ein solches System, könnten auch mehr Beschäftigte bereit sein, Verstöße und Unregelmäßigkeiten zu melden, das Unternehmen und die Kunden damit zu schützen und die Qualität im Betrieb zu sichern.

Es kommt aber darauf an, dass Sie das interne System auf einen sicheren Grund stellen:

  • Hinweise müssen vertraulich behandelt werden.
  • Es sollte die Möglichkeit geprüft werden, Hinweise auch anonym abgeben zu können.
  • Die Hinweise müssen konkret und prüfbar sein.
  • Unklare Hinweise und allgemeine Verdächtigungen sollten nicht akzeptiert werden.
  • Nachvollziehbare Hinweise müssen beachtet und zeitnah bearbeitet werden.
  • Die Geschäftsführung muss voll hinter dem Meldesystem stehen, auch wenn die Hinweise sie selbst betreffen könnten.
  • Die Meldungen sollten durch ausgewählte Vertrauenspersonen bearbeitet werden, unter Umständen durch vertrauenswürdige externe Berater.
  • Whistleblower sollten vertrauliches und umgehendes Feedback auf ihre Hinweise erhalten.
  • Whistleblowing muss die geltenden Gesetze beachten, insbesondere den Datenschutz.

Wenn im Unternehmen die „Alarmpfeifen“ erst einmal eingeführt sind, werden so manche Unregelmäßigkeiten bereits im Keim erstickt. Wichtig ist es, dass die Hinweisgeber keine Nachteile erfahren, aber auch keine Vorteile. Schließlich soll es keine interne Jagd auf Pluspunkte geben, sondern die Möglichkeit, gefahrlos auf Risiken aufmerksam machen zu können.
 


Oliver Schonschek, www.schonschek.de
Herr Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist