Chancen nutzen: Der Einkauf als wertvoller interner Lieferant
Qualität hat viele verschiedene Facetten. Doch auf was genau kommt es z.B. beim Einkauf an? Sind die technischen Merkmale am wichtigsten oder andere Anforderungen? Ab wann ist man Kunde und ab wann Lieferant? Werfen Sie doch einmal einen Blick auf das Qualitätsmanagement im Einkauf als Ganzes. Wo besteht Verbesserungsbedarf?

Ein gutes Qualitätsmanagement im Einkauf stärkt Ihre Position
Wer sind die Kunden des Einkaufs?
Will man den kundenorientierten Qualitätsbegriff auf die Belange des Einkaufs übertragen, stellt sich zunächst die Frage, wer die „Kunden“ des Einkaufs sind. Im zweiten Schritt werden dann deren Anforderungen an die (Dienst-)Leistungen der Beschaffung erfasst.
Einkäufer im Unternehmen sollten sich bewusst machen: Die Kunden des Einkaufs sind alle internen und externen Anwender der zugekauften Komponenten. Weiterhin beinhalten sie auch alle Organisationseinheiten im Unternehmen, deren Kosten oder Ergebnisse von den Leistungen und Aktivitäten des Einkaufs in irgendeiner Form betroffen sind.
Um für Ihre Kunden die bestmögliche Leistung zu erbringen und auf Dauer die Position des Einkaufs im Unternehmen zu stärken, sollten Sie sich die Aufgaben des Qualitätsmanagements im Einkauf bewusst machen:
- Management der Qualität der zugekauften Produkte (Sachleistung des Einkaufs)
- Management der Qualität der Leistungen der Abteilung/der Mitarbeiter im Einkauf (Dienstleistungen des Einkaufs im Unternehmen)
Diese beiden Blickrichtungen sollten Sie als Führungskraft im Einkauf ständig im Fokus haben und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezielt darauf ausrichten. Machen Sie Ihre Abteilung „fit“ wenn es darum geht, dass Sie sich als Dienstleister innerhalb des Unternehmens positionieren sollten.
Geben Sie Unterstützung, seien Sie Berater Ihrer Mitarbeiter und begleiten Sie Ihre Leute innerhalb des Einkaufsprozesses bzw. bei wichtigen Projekten, bei denen der Einkauf beteiligt ist.
Stellen Sie Defizite und Potenziale in Ihrem Team fest, die die Dienstleitungsqualität Ihrer Abteilung gefährden bzw. voranbringen können, so leiten Sie entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen ein.
Qualitätsmanagement für zugekaufte Produkte
Die Anforderungen der Verwender – Ihrer internen Kunden – richten sich erfahrungsgemäß zunächst auf die Sachleistung des Einkaufs. Und diese wiederum bezieht sich auf ein bestimmtes Beschaffungsobjekt und ist zu messen als Fähigkeit,
- die geforderten Leistungsmerkmale bereitzustellen,
- die geforderten Lieferservice-Konditionen zu gewährleisten,
- möglichst geringe Kosten zu „produzieren“.
Damit Sie diesen Anforderungen gerecht werden, gilt es zunächst einmal, dass Sie die Bedeutung der Materialqualität innerhalb des Qualitätsmanagements im Einkauf beschreiben und verstehen.
Dies gelingt Ihnen und Ihrem Team sehr gut, wenn Sie sich die Folgen schlechter Qualität bewusst machen und diese erfassen. Hilfreich könnte für Sie die nachfolgende Auflistung sein.
Wozu schlecht eingekaufte Qualität führt
Schlechte Materialqualität führt zu Produktfehlern,
- die die Gebrauchstauglichkeit des produzierten Enderzeugnisses infrage stellen.
- Abweichungen von vorgegebenen Toleranzen des Abnehmers verursachen oder die Zuverlässigkeit dieses Produkts bzw. eines Bauteils beeinträchtigen.
Schlechte Materialqualität
- verursacht Ausschuss in der Fertigung. Dieser verursacht erhöhten Material- und Kapazitätsbedarf.
- gefährdet die Termineinhaltung gegenüber dem Kunden.
- verursacht materialbedingte Stillstandszeiten der Kapazitäten und damit eine schlechte Kapazitätsauslastung, wenn Termine gegenüber der nachfolgenden Fertigungsstufe nicht eingehalten werden können.
- erzwingt ungünstige Maschinenbelegungspläne mit hohen Rüstkosten oder langen Rüstzeiten, wenn aufgrund von Qualitätsmängeln priorisiert nachproduziert werden muss.
Schlechte Materialqualität erzwingt
- Lagerbestände an fremdbezogenen Komponenten und eigengefertigten Teilen und Baugruppen, um die Lieferfähigkeit der nachfolgenden Fertigungsstufe zu sichern.
- umfangreiche Prüfvorgänge vor sowie während der Fertigung und verlängert dadurch die Durchlaufzeit.
Schlechte Materialqualität wirkt beim Ihrem Unternehmen als Kostentreiber in
- Einkauf,
- Wareneingangsprüfung,
- Fertigung,
- Verwaltung und
- Lager.
Ihre Aufgabe mit einem guten Qualitätsmanagement im Einkauf ist es, diese Fehler zu vermeiden – und zwar gleich zu Beginn der Wertschöpfungskette. Wenn Sie sich diese vermeidbaren Punkte vor Augen führen, werden Sie diese Aufgabe sicherlich sehr gerne wahrnehmen.
Markus Lemme
Markus Lemme ist Herausgeber und Chefredakteur von „Der EK-Profi aktuell“




