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05.05.2009
Fixkostenmanagement, TEIL 2

Was sind Fixkosten?

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Die Begriffe fix und variabel beziehen sich auf die Abhängigkeit der Kosten vom Beschäftigungsgrad. Unter Beschäftigung versteht man hierbei die Auslastung der vorhandenen Kapazitäten, z.B. Maschinen, Inanspruchnahme von Servicekapazitäten etc.

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Behalten Sie die Kosten im Auge

Am Beispiel eines Restaurants lässt sich dies am einfachsten erläutern: Wenn 70 der 100 Sitzplätze eines Restaurants mit Gästen besetzt sind, liegt die Beschäftigung oder Auslastung bei 70 Prozent.

Beschäftigungsabhängige Kosten bzw. variable Kosten sind z.B. Materialkosten, Fertigungslöhne, Subunternehmer etc.

Beschäftigungsunabhängige Kosten bzw. Fixkosten hingegen sind vor allem Verwaltungskosten und sonstige Querschnittskosten. Sie stehen in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der Dienstleistung. Vereinfacht gesagt handelt es sich um die Kosten, die auch dann anfallen, wenn nichts produziert oder verkauft wird. Im Falle des Restaurants wären dies z.B. Raumkosten, Löhne der Kellner etc., während der Einkauf von Lebensmitteln auslastungsabhängig ist.

Fixkostenblock

Eine Unternehmensberatung kann mittels Stunden bzw. Tagenachweisen zwar feststellen, welcher (angestellte) Berater wie viel Zeitaufwand für welchen Kunden und welches Produkt betrieben hat und diesem die entsprechenden Personalkosten im Rahmen der Kostenrechnung direkt zurechnen.

Wenn diese Berater allerdings weitgehend beschäftigungslos in ihren Büros sitzen, handelt es sich bei deren Personalkosten um fixe Kosten, die ohne z.B. betriebsbedingte Kündigungen nicht beeinflussbar sind.

Weitere Beispiele für überwiegend fixe Kosten sind:

  • Personalkosten im Verwaltungsbereich
  • Mieten
  • Zinsen (Kontokorrent, Darlehen)
  • Versicherungen
  • Abschreibungen, die jedoch wenigstens nicht liquiditätswirksam sind
  • Im Gegensatz dazu z.B. voll liquiditätswirksame Leasingkosten

Jedes Unternehmen hat einen Fixkostenblock, der unabhängig von Produktion, Ausbringungsmenge, Inanspruchnahme von Dienstleistungen etc. ist.

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Zusammensetzung des Fixkostenblocks

Die Zusammensetzung dieses Fixkostenblockes ist abhängig von der jeweiligen Branche. In Dienstleistungsunternehmen (z.B. Unternehmensberatung) sind die meisten Kosten Fixkosten, weil nichts produziert wird, folglich die Hauptgrößen der variablen Kosten, also Materialkosten, gar nicht anfallen. Das sieht anders aus, wenn etwa die Beratungsgesellschaft überwiegend mit freiberuflichen Beratern arbeitet.

In Produktionsunternehmen nehmen fixe Kosten einen in der Regel weitaus geringeren Teil der Gesamtkosten ein. Fixkosten sind also unabhängig von der Leistung. Sinkt z.B. die Produktion, weil der Kunde A insolvent geworden ist, verteilen sich die fixen Kosten auf eine geringere Produktionsmenge. Damit steigen automatisch die Fixkosten pro Produktionseinheit, die Produktion wird mithin teurer, Umsatzrendite und zahlreiche andere Kennziffern verschlechtern sich drastisch.

Darin zeigt sich eine interessante Eigenschaft von Fixkosten: Diese Kosten sind zwar absolut betrachtet fix, aber bezogen z.B. auf eine Produktionseinheit können sie relativ betrachtet steigen oder sinken. Dieser Effekt ist der Grund für viele Unternehmenszusammenschlüsse. Man kann so eine höhere Ausbringungsmenge erzielen, bezogen auf alle Kunden der sich zusammen schließenden Unternehmen, aber Fixkosten einsparen, weil sie mehrfach in den Unternehmen anfallen, aber eben produktionsunabhängig sind. Dieser Effekt wird Fixkostendegression genannt. 

Sprunghafte Fixkosten

Ein weiteres, interessantes und in vielen Branchen verbreitetes Phänomen ist das der sogenannten sprungfixen Kosten. Sprungfixe Kosten sind Kosten, die sich bis zu einer bestimmten Ausbringungsmenge nicht verändern - sie sind also fix. Sobald aber diese Ausbringungsmenge erhöht wird, steigen die Kosten sofort und in großem Umfang an, sie „springen“ von einem Level auf das nächste. Diese Kosten werden auch als intervallfixe oder quasifixe Kosten bezeichnet.

Beispiel: Mit einer Maschine können 5.000 Produkteinheiten hergestellt werden, genauer gesagt, 1 bis 5.000 Produkteinheiten. Diese Maschine erzeugt Fixkosten i.H.v. 500.000 €. Angenommen, diese Kapazitäten werden dauerhaft ausgeschöpft, aber nun ordern zusätzliche Kunden weitere 500 Produkteinheiten, ließen sich diese zusätzlichen Aufträge - abgesehen von Varianten wie eine Unterbeauftragung - nur mit der Anschaffung einer weiteren Maschine bewerkstelligen. Die Fixkosten würden dann sofort, ggf. mit nur einer zusätzlich produzierten Einheit um 500.000 € „springen“.

Anhand dieses einfachen Beispiels lässt sich auch nochmals sehr gut darstellen, wie gefährlich eine Abhängigkeit von Fixkosten sein kann. Die Maschine erzeugt 500.000€ Fixkosten, und zwar unabhängig von der Produktionsmenge. Damit müssen diese Kosten auf die jeweilige Ausbringungsmenge verteilt werden, um festzustellen, wie teuer die einzelne Einheit für das Unternehmen ist. Ausgehend von der Annahme, dass für jede produzierte Einheit variable Kosten in Höhe von 200 Euro anfallen, ergibt sich folgendes Bild:

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 Burkhard Rüth