Die Sicherheit der Lieferkette
Für die Sicherheit der Lieferkette sollte das Know-how des ganzen Unternehmens zusammenwirken, von der Security bis zum Qualitätsmanagement. Die Transportwege selbst sollten auf jeweilige Gefahrenstellen überprüft und ein Maßnahmenplan entworfen werden.

Sichere Lieferkette – Sichere Transportwege
Supply Chain Security befasst sich im Gegensatz zum Supply Chain Management weder mit Entscheidungen über Outsourcing oder Eigenfertigung noch mit der Auswahl von Zulieferern oder Standortentscheidungen, sondern mit der ganzheitlichen Betrachtung von (bestehenden) Lieferketten zur Verbesserung der Sicherheit.
Die Notwendigkeit hierzu resultiert zum einen aus der fortschreitenden Globalisierung von Produktions- und Distributionsprozessen, zum anderen auch aus der Zunahme externer Bedrohungen wie Piraterie, Erpressung, Diebstahl und Terrorismus.
Aktivitäten im Bereich Supply Chain Security sollten von einer Konzerneinheit wie beispielsweise der Konzernsicherheit in enger Zusammenarbeit mit den Logistik- bzw. Supply-Chain-Managementeinheiten koordiniert, gesteuert und überwacht werden.
Zu den Aufgaben der Konzernsicherheit gehören daher u. a.:
- Schwachstellenanalysen
- Verifizierung von Lieferanteninformationen, die für die Sicherheit der Supply Chain relevant sein könnten
- Beratung der einzelnen Fachabteilungen zu Fragen der physikalischen Absicherung von Produkten durch Sicherheitsetiketten etc.
- Awareness-Training für die diversen Fachabteilungen
- Unterstützung der Fachabteilungen im Schadensfall (Diebstahl, Beschädigung etc.) und kompetente Abwicklung des Falls inklusive Kommunikation von “Lessons Learnt” an die Fachabteilungen
Integration der Maßnahmen und Zusammenarbeit
Vor diesem Hintergrund soll der vorliegende Artikel einen Überblick über den Umfang der Aktionsmöglichkeiten einer Sicherheitsabteilung im Bereich Supply Chain Security vermitteln. Es werden Ansatzpunkte für eine effiziente Integration dieser Maßnahmen in bestehende Supply Chains gegeben und es wird die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen unterstrichen.
Supply Chain” – Begriff und Beteiligte
Die unternehmensübergreifende Gesamtheit aller Prozesse, die Produkte für die verschiedenen Zielmärkte erzeugt, wird als Supply Chain – deutsch: Lieferkette oder Wertschöpfungskette – bezeichnet.
Je nach unternehmens- oder auch branchenspezifischer Definition des Umfangs der Supply Chain kann diese neben den Prozessen auf dem Weg zur Endproduktherstellung auch die Entsorgung von durch Kunden retournierte Altprodukte (z. B. Rücknahme alter Elektrogeräte beim Erwerb eines Neugeräts) umfassen.
Immer noch ansteigende Tendenz: Zulieferfirmen und Dienstleister
Durch die verstärkte Fokussierung von Unternehmen auf deren Kernkompetenzen lässt sich auch eine Veränderung der Supply Chain insofern beobachten, als zunehmend Zulieferfirmen und externe Dienstleister wesentliche Rollen in der Fertigung von Produkten und somit einen Platz in der Supply Chain des jeweiligen Unternehmens einnehmen.
Vor dem Aspekt der Sicherheit der Lieferkette nimmt der Teil der Lieferkette, welcher die Prozesse vom Rohstoff bis zum Endkunden abdeckt, eine besondere Bedeutung ein, da mit zunehmendem Fertigungsgrad des Produkts auch dessen Attraktivität steigt. Altprodukte, die zur Entsorgung vorgesehen sind, werden dagegen in der Regel als weniger attraktiv wahrgenommen und sind daher auch weniger gefährdet.
Vom Rohstoff bis zur Anlieferung
Aus genanntem Grund erfolgt für die Detailbetrachtung eine Fokussierung auf die Sicherheit der Lieferkette vom Rohstoff bis zur Ankunft des fertigen Produkts beim Endkunden.
Transportwege und deren Besonderheiten
1. Straße
Während die Straße gegenüber anderen Transportwegen den enormen Vorteil hat, dass über sie auch in abgelegenen Regionen schnell und zuverlässig Güter zugestellt werden können, birgt sie aus Sicherheitsgesichtspunkten jedoch einige Gefahren.
Hauptrisiko ist eine relativ hohe Unfallquote, die - speziell bei Unfällen mit Lkw-Beteiligung - nicht selten zum Tod des Fahrers oder auch zum (Teil-)Verlust der Ladung führt. Darüber hinaus werden Lkw-Transporte in Mittel- und Südamerika wie auch in Afrika und Südostasien immer wieder zu Zielen von bewaffneten Überfällen und dementsprechendem Totalverlust von Lkw und Ladung.
2. Schiene
In den Industrienationen kann der Schienenverkehr als sicher bezeichnet werden. Die Gefahr von bewaffneten Übergriffen und/oder Ausfällen durch technische Probleme und daraus resultierende Verzögerungen bei der Zustellung ist hier relativ gering.
In Mittel- und Südamerika, Afrika und Teilen Südostasiens sind jedoch Blockaden auf freier Strecke und bewaffnete Überfälle keine Seltenheit, weshalb der Transport von zeitkritischen Sendungen und/oder höherwertigen Gütern über den Schienenweg vor der Durchführung sorgfältig zu planen ist. Kann kein sicherer Transportweg gefunden werden, empfiehlt sich hier eine Aufteilung einer Sendung auf zwei oder mehr Züge, um das Ausfallrisiko zu minimieren.
3. Seeweg
Der gewerbliche Gütertransport über den Seeweg ist die älteste Form des Warenverkehrs über weitere Strecken. Seine Bedeutung für den Welthandel ist – nicht zuletzt bedingt durch die Globalisierung – nach wie vor ungebrochen. Insbesondere der Transport von Rohstoffen - hier vor allem von Rohöl - sowie der Transport von Industriegütern aus Billiglohnländern wäre ohne den Seetransport in seiner heutigen Form nicht durchführbar.
Trotz der Vorteile (Kostengünstigkeit, gute Anbindungen und Eignung für Massengut) ist der Seehandel auch hinsichtlich der Sicherheit zu betrachten: Zum einen können ungünstige Klimabedingungen in einigen Regionen der Welt vermehrt zu Schiffskatastrophen durch Strömungen, heftige Stürme, Untiefen etc. führen. Zum anderen ist in der jüngsten Vergangenheit ein hoher Zuwachs an bewaffneten Übergriffen auf Frachtschiffe zu beobachten.
4. Luftverkehr
Der Transport von Rohstoffen und Gütern im Luftverkehr eignet sich vor allem für kleine und hochwertige Produkte, die ihren Empfänger zeitnah erreichen müssen. Im Vergleich zu den anderen Verkehrsmitteln sind die Transportkapazitäten zum einen geringer und zum anderen auch wesentlich teurer. Darüber hinaus unterliegen Güter, die per Luftfracht transportiert werden sollen, besonderen Regularien: Nicht alle Produkte sind an Bord von Verkehrsflugzeugen zugelassen. In solchen Fällen muss auf andere Verkehrsmittel zurückgegriffen werden.
Aufgrund der strengen Sicherheitsbestimmungen an und um Flughäfen stellt der Transport per Luftfracht den im Vergleich zu den anderen Verkehrsmitteln sichersten Transportweg dar. Übergriffe wie Flugzeugentführungen und Unfälle, die zum Verlust des gesamten Flugzeugs führen, sind - nicht zuletzt aufgrund der hohen Sicherheitsbestimmungen in Bezug auf Zutrittskontrollen und Wartungsvorschriften - vergleichsweise selten.
Praxisbeispiel: Aufbau der Supply Chain in der pharmazeutischen Industrie
Wenngleich es nicht “die” Supply Chain gibt und selbst innerhalb der gleichen Branche vielfältige Möglichkeiten existieren, die Lieferkette zu gestalten, soll hier zur besseren Verdeutlichung der Komplexität eine Supply Chain in der Pharmaindustrie am Beispiel eines verschreibungspflichtigen Medikaments dargestellt werden.
Zur Herstellung eines Pharmazeutikums werden in der Regel mehrere Rohstoffe benötigt, die nicht notwendigerweise am gleichen Ort vorkommen. Somit muss ein Bezug von verschiedenen Quellen (und ggf. aus verschiedenen Ländern) erfolgen. Die Aufbereitung der Rohstoffe sowie die Herstellung der Grundsubstanz (oder auch des aktiven Wirkstoffs, engl. Active Pharmaceutical Ingredient – API) erfolgt nicht selten in einem der Herkunftsländer der Rohstoffe.
Komplexe Supply Chain
Die fertige Substanz wird danach als lose Ware in Fässern o. Ä. zur Endproduktion transportiert. Die Endproduktion beinhaltet sowohl die Mischung des API mit den Hilfs- und Füllstoffen als auch die entsprechende Verpackung in Blister, Flaschen u. a. Die fertigen Produkte werden in ihre Bestimmungsländer transportiert und dort per Lkw zu diversen Regionallägern geliefert. Um landesspezifischen Besonderheiten gerecht zu werden, kann es sein, dass Lohnhersteller damit beauftragt werden, Umpackungen und/oder Ergänzungen (wie Etiketten in der Landessprache) vorzunehmen. Von dort werden die Produkte an einige Großhändler gesendet, welche wiederum ihrerseits die Distribution an kleinere Zwischenhändler vornehmen.
Die Zwischenhändler beliefern “ihre” Apotheken (d. h. Apotheken in deren Einzugsbereich) und nehmen auf Wunsch auch noch kleinere Umpackungen vor (wobei dies je nach landesspezifischer Gesetzgebung möglicherweise nicht in allen Ländern der Fall sein muss). Von der Apotheke schließlich gelangt das Produkt dann zum Endkunden.
Allein dieses Einführungsbeispiel zeigt, wie komplex eine Supply Chain sein kann und wie viele Stellen des Gefahrenübergangs und somit auch Einzelrisiken es geben kann.
Sie lasen einen Auszug aus einem Beitrag unserer Autorin Astrid Loos. Wenn Sie an zuverlässigen Fachinformationen zum Bereich Supply Chain und Einkauf interessiert sind, empfehlen wir Ihnen unsere Produkte Materialwirtschaft und Logistik online sowie Einkauf online. Nutzen Sie jetzt die Möglichkeit zu einem 14-tägigen, kostenlosen Probe-Abo!




