So gehen Sie mit unkooperativen Kollegen um
Je schlechter die wirtschaftliche Lage, desto härter der interne Konkurrenzkampf im Unternehmen. Da bleibt oft die Zusammenarbeit auf der Strecke. Ihr Kollege pocht auf Herrschaftswissen oder erzählt Dinge über Sie hintenrum? Tun Sie etwas dagegen!

Damit alle am gleichen Strang ziehen, ist oft harte Kommunikations-Arbeit nötig
Damit Sie etwas an der aktuellen Situation verändern können, müssen Sie zunächst genau wissen, was Sie stört. Oft klagen Arbeitnehmer nämlich nur über ihre Kollegen - wissen aber nicht genau, wo das eigentliche Problem liegt (z.B.: „Herr Meyer ist ein ganz falscher Typ. Vorne herum tut er freundlich – und hinten herum erzählt er alles mögliche über mich.“).
1. Schritt: Analysieren Sie das Problem
Überlegen Sie genau, welche Verhaltensweisen Sie an Ihrem Kollegen als negativ empfinden. Dabei hilft es Ihnen, über verschiedene Vorfälle in der Vergangenheit nachzudenken und diese miteinander zu vergleichen (z.B.: „Herr Meyer ist sehr witzig, gesprächig und geht auf alle offen zu. Durch seine Art kommt er offensichtlich auch gut mit unserem Chef aus. Allerdings hat er mir schon ein paar Mal Dinge über Kollegen erzählt, die bestimmt nicht für meine Ohren – oder für andere – bestimmt gewesen sind. Im Prinzip stört mich seine Geschwätzigkeit.“).
2. Schritt: Entwickeln Sie Ihr Ideal
Sobald Sie wissen, was Sie stört, können Sie darüber nachdenken, was der Idealzustand wäre (z.B.: „Ich würde gerne Herrn Meyer dazu bringen, sich genau zu überlegen, was er wem sagen kann – und was nicht.“).
3. Schritt: Suchen Sie nach Vorteilen
Am ehesten werden Sie Ihren Kollegen positiv beeinflussen können, wenn Sie ihm darlegen können, welche Vorteile ihm die Verhaltensänderung bringt. Würden Sie ihm auf den Kopf zusagen, dass Sie sein bisheriges Verhalten nicht gutheißen, würde Ihr Kollege wahrscheinlich sofort auf Konfrontationskurs gehen.
4. Schritt: Führen Sie ein Vier-Augen-Gespräch
Suchen Sie nach einer geeigneten Gelegenheit, um mit Ihrem Kollegen allein über das zu sprechen, was Sie stört. Würden Sie ihn vor anderen darauf ansprechen, wird er Ihnen weniger intensiv zuhören – schließlich ist er viel zu sehr damit beschäftigt, sein Ansehen vor allen zu verteidigen. Achten Sie außerdem darauf, dass Sie dieses Gespräch respektvoll führen: Egal, was Sie ärgert, lassen Sie sich zu keinen emotionalen Entgleisungen hinreißen.
Am besten betonen Sie, dass „Sie sich als Arbeitsteam fühlen“, das „gemeinsam versucht“, die Bereichsziele „möglichst optimal zu erfüllen“. Stellen Sie anschließend dar,
- wie Sie glauben, dass Ihre Zusammenarbeit noch verbessert werden könnte („Viele Dinge sind oftmals noch nicht richtig durchdacht. Es würde uns allen mehr nutzen, wenn wir alle erst einmal die Aspekte zu Ende denken – bevor wir darüber reden“.) und
- welche Vorteile es für Ihren Kollegen hätte, wenn er auf die aus Ihrer Sicht negative Verhaltensweise verzichten würde („Wenn wir erst einmal für uns bestimmte Dinge besprechen – können wir mögliche Fehlerquellen ausschalten – und machen unseren Chef erst gar nicht darauf aufmerksam. Du weißt, er liebt Ergebnisse – und keine Probleme.“).
Berücksichtigen Sie auch die Sicht des anderen
Bitten Sie Ihren Kollegen dann, Ihnen seine Sicht der Dinge darzustellen (z.B.: „Ihr mögt es doch, wenn ich gute Stimmung in den Bereich bringe. Das versuche ich doch nur zu erfüllen. Okay, dabei sage ich bestimmt das eine oder andere Wort zu viel.“). Unter Umständen erfahren Sie so Aspekte, an die Sie bisher noch gedacht hatten.
Dr. Jutta Gröschl
Dr. Gröschl ist Chefredakteurin der Monatspublikationen „Coaching“ und „Sekretärinnen SERVICE“, die im WEKA-Tochterunternehmen GWI erscheinen.




