Finanzierung ganz ohne Bankkredit
Wenn es um das Thema „Finanzierung“ geht, denken die meisten Unternehmer sofort an Fremdfinanzierung in Form von Bankdarlehen. Dabei gibt es in fast allen Betrieben nicht genutzte Möglichkeiten, zusätzliche Eigenmittel für die Finanzierung des Unternehmens frei zu machen.
Finanzierung ganz ohne Bankkredit (Foto: Jutta Anger/pixelio)
Dazu gehört die Minderung des Gewinns durch Abschreibungen, der Verzicht von Gewinnausschüttungen oder eine beschleunigte Rechnungsstellung. Die Möglichkeiten sind da. Im folgenden Beitrag zeigen wir Ihnen zehn Beispiele, wie Sie die Finanzierung Ihres Betriebs sicherstellen – ohne sich nur auf Bankkredite zu stützen.
Die Finanzierung auf diesem Weg macht Sie nicht nur unabhängiger von Ihrer Hausbank, sie erspart Ihnen auch teure Darlehenszinsen!
Zehn kaum genutzte Möglichkeiten, Ihren Betrieb zu finanzieren
Viele Unternehmen haben nur wenig Eigenkapital und deshalb Probleme, größere Anschaffungen zu finanzieren. Durch gute Planung lassen sich jedoch neue Finanzierungsspielräume gewinnen.
1. Gewinne durch Abschreibungen mindern
Die Selbstfinanzierung von (beweglichem und unbeweglichem) Anlagevermögen erreichen Sie im besten Falle dadurch, dass Sie bei Ihrer Kostenplanung Abschreibungen berücksichtigen. Denken Sie jedoch daran, dass Sie durch Abschreibungen die Gewinne zwar Steuer sparend senken können, dieser Steuerspareffekt jedoch fast nie ausreicht, um notwendige Ersatzinvestitionen zu tätigen. Der Grund: Die Preise haben sich durch Inflation und neue technische Erfordernisse erhöht. Planen Sie deshalb in Ihre Finanzierung und Preiskalkulationen Kosten in Höhe des Wiederbeschaffungswertes ein – sonst droht zum Zeitpunkt des Ersatzbedarfs eine Finanzierungslücke.
2. Rückstellungen von ungewissen Verpflichtungen
Drohen Ihrem Unternehmen Vertragsstrafen, Bürgschaftsverpflichtungen, Steuernachzahlungen, Pensionsverpflichtungen oder Ansprüche von Handelsvertretern in naher oder ferner Zukunft? Für all diese Verbindlichkeiten ist zwar der Grund, nicht aber die Höhe und der Zeitpunkt der Fälligkeit bekannt. Der Aufwand kann in diesen Fällen sofort verrechnet und der Gewinn damit Steuer sparend gemindert werden – das Geld wird aber erst in späteren Perioden ausgezahlt. Bis dahin steht es Ihrem Unternehmen zur Verfügung. Langfristige Rückstellungen sind unter diesem Aspekt besonders interessant.
3. Vermögen umschichten
Prüfen Sie, ob Sie sich mit Änderungen in der Vermögensstruktur finanzieren können. Im einfachsten Fall verkaufen Sie Anlagegüter und erhalten so liquide Mittel. Andere Möglichkeiten der Umschichtung sind zum Beispiel die Umwandlung von kurz- in langfristige Verbindlichkeiten oder die Umwandlung von Fremd- in Eigenkapital, wenn zum Beispiel ein Gesellschafterdarlehen in eine Kapitaleinlage verwandelt wird. Solche Maßnahmen können auch indirekt zu Ihrer Finanzierung beitragen, indem sie Ihre Bilanz aufpolieren und damit Ihre Kreditwürdigkeit gegenüber Ihrer Bank erhöhen. So prüft Ihre Bank zum Beispiel die Fristigkeiten Ihrer Verbindlichkeiten – je langfristiger, desto besser!
4. Verzicht auf Ausschüttung
Werden keine Gewinne an die Anteilseigner ausgeschüttet, spricht man von einer offenen oder stillen Selbstfinanzierung. Bei der offenen Selbstfinanzierung führt die Einbehaltung der Gewinne zu einer Erhöhung des Eigenkapitals und wird in der Bilanz ausgewiesen. Bei der stillen (oder „verdeckten“) Selbstfinanzierung nutzen Sie Bilanzierungsvorschriften und Bewertungswahlrechte, um die einbehaltenen Gewinne nicht bilanzieren zu müssen. So können Sie zum Beispiel durch überhöhte Abschreibungen das Vermögen niedriger bilanzieren und damit den Gewinn drücken. Eine andere Möglichkeit ist es, überhöhte Rückstellungen zu bilden (siehe Punkt 2) und damit die Verbindlichkeiten zu erhöhen. Beide Wege führen dazu, dass Gewinne im Unternehmen verbleiben, ohne dass dies aus der Bilanz ersichtlich wird.
5. Eigenkapital erhöhen
Manchmal lassen sich Investitionen nur durchführen, indem Sie einen Investor bitten, Ihnen Eigenkapital zur Verfügung zu stellen. Sie können zum Beispiel einen „Stillen Gesellschafter“ aufnehmen, der in der Regel kein Mitspracherecht, sondern nur einen Anspruch am Geschäftsergebnis hat. Die Einlagen eines stillen Gesellschafters können in der Bilanz unter Fremd- oder unter Eigenkapital ausgewiesen werden. Im letzteren Fall haftet der stille Gesellschafter bis zur vollen Höhe seiner Einlage. Bei einer OHG erhöhen die Gesellschafter ihre Einlagen oder nehmen einen neuen Gesellschafter auf. GmbH-Gesellschafter haben neben der Möglichkeit, die Kapitaleinlage zu erhöhen, ein weiteres Mittel für eine „Finanzspritze“: Sie können der GmbH ein Darlehen gewähren, das dem Unternehmen als Fremdkapital zugeführt wird.
6. Kurzfristige Bankkredite besser planen
Viele Chefs verfahren nach der Devise „Je weniger Kredite desto weniger Kosten“. Aber Banken berechnen für nicht oder nur teilweise in Anspruch genommene Kontokorrentkredite eine besondere Kreditprovision, die bis zu 2,5 Prozent des eingeräumten Kredits betragen kann. So fällt bei Nichtbeanspruchung des Kredits für die volle Kreditsumme Bereitstellungsprovision an. Achten Sie also darauf, dass Sie nur dann Kreditverträge schließen, wenn Sie den Kredit voraussichtlich auch in voller Höhe benötigen oder wenn keine Bereitstellungsprovision verlangt wird. Unnötige Kosten fallen häufig auch an, wenn die vereinbarte Kreditlinie überzogen wird, denn dann werden etwa 1,5 Prozent Überziehungsprovision sowie Spesen der Bank berechnet.
7. Umsatzerlöse schneller realisieren
Wie viel Zeit vergeht bei Ihnen von der Auftragsannahme bis zur Rechnungsstellung? Je kürzer dieser Zeitraum ist, desto weniger Kapital wird gebunden und desto mehr Liquidität steht Ihnen zur Finanzierung anderer Aufgaben zur Verfügung. Neben einem effizienten Forderungsmanagement mit einem straffen Mahnwesen sollten Sie bei größeren Aufträgen Vorauszahlungen oder Abrechnung nach Meilensteinen vereinbaren, soweit Sie das gegenüber Ihren Kunden durchsetzen können. Gibt es häufiger Schwierigkeiten, Außenstände einzuholen, sollten Sie über die Beauftragung eines Inkassounternehmens nachdenken.
8. Lieferantenkredite oder Bankkredit?
Meist bieten Lieferanten einen Nachlass in Form eines Skontos an, wenn Sie in sehr kurzer Frist bezahlen. Ob Sie besser das Zahlungsziel ausnutzen oder alternativ einen Bankkredit in Anspruch nehmen, errechnen Sie durch einen Vergleich des effektiven Jahreszinses des Bankkredits mit dem Skontoabzug, den Sie bei schneller Zahlung vornehmen dürfen. Mit einer einfachen Rechnung erhalten Sie einen Näherungswert: Sie multiplizieren 360 mit dem Skontosatz und teilen diesen Betrag durch die Tage, die Sie durch Ausnutzung des Zahlungsziels gewinnen. Dürfen Sie zum Beispiel zwischen einer Zahlung innerhalb von zehn Tagen mit zwei Prozent Skontoabzug und einem Zahlungsziel von 30 Tagen wählen, ist der Effektivzins (360 x 2) / 20="36" Prozent.
9. Leasing nutzen
Leasing ist eine gute Möglichkeit, die eigene Liquidität zu schonen, weil keine hohe Kaufsumme zu einem bestimmten Termin aufgebracht werden muss. Zudem können Sie Leasingzahlungen als Betriebsausgaben steuerlich geltend machen. Allerdings können bei niedrigen Kreditzinsen Leasingfinanzierungen langfristig teurer sein als Bankkredite. Ermitteln Sie daher bei einer konkreten Investition zunächst die rein rechnerisch beste Lösung und treffen Sie erst dann, unter Einbeziehung der steuerlichen, rechtlichen und die Liquidität betreffenden Aspekte, Ihre Entscheidung.
10. Überliquidität vermeiden
Wenn Sie zur Sicherheit häufig einen Puffer an Finanzmitteln vorrätig halten, sollten Sie auch dieses Geld nicht einfach auf Ihrem Girokonto verfügbar halten, sondern es kurzfristig anlegen. So können Sie auf Tagesgeldkonten Ihr Geld „parken“, dabei Zinsen erhalten und dennoch bei Bedarf liquide bleiben. Sind Sie „überliquide“, sollten Sie mit Ihren Gläubigern verhandeln, welche Verbindlichkeiten Sie vorzeitig ablösen und dadurch Zinsen sparen können.
Autor: Dr. Patrick Hamilton
Dr. Patrick Hamilton ist Berater und Supervisor.




