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08.09.2011
Nachhaltigkeit

Green Procurement

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Green Procurement bedeutet, Nachhaltigkeits- und Umweltaspekte in den Einkaufs- und Beschaffungsprozess einzubeziehen. Anders gesagt bedeutet es, Ressourcenverschwendung zu vermeiden oder zumindest zu vermindern. Das alles hat viel mit Qualitätsmanagement zu tun.

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Green Procurement für eine lebenswerte Zukunft

Die „grüne“ Beschaffung nimmt im Zuge einer verstärkten Nachfrage umweltfreundlicher und ressourcenschonender Produkte und Dienstleistungen stark an Bedeutung zu. Denn nur nachhaltig und umweltfreundlich beschaffte und verarbeitete Ausgangsmaterialien und -leistungen führen tatsächlich zu „grünen“ Produkten und Dienstleitungen. Das bedeutet, dass stets der gesamte Lebenszyklus eines Produkts oder einer Dienstleistung betrachtet werden muss, soweit man von „grün“ sprechen möchte.

Die einen Lebenszyklus umspannende Betrachtung eines Produkts oder einer Dienstleistung hinsichtlich seiner oder ihrer „grüner“ Aspekte erfordert eine prozessorientierte Sichtweise, die z.B. durch ein QM-System gemäß DIN EN ISO 9001 unterstützt wird.
 

Was für Green Procurement spricht

Durch die Gegenüberstellung der zusätzlichen Kosten und der möglichen Kosteneinsparungen durch „grüne“ Produkte und Dienstleistungen über den gesamten Lebenszyklus hinweg wird deutlich, dass die erzielten Einsparungen oftmals die Ausgangsinvestitionen überschreiten.

Gleichzeitig tritt ein nennenswerter Imagezuwachs und Kundenbindungseffekt ein, der „grüne“ Produkte und Dienstleistungen nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für Wirtschaftsunternehmen und öffentliche Einrichtungen zunehmend attraktiv macht.

Green Procurement und nachhaltige Unternehmensprozesse gehen aus einer verstärkten Nachfrage „grüner“ Produkte und Dienstleistungen durch den Kunden hervor. Die Erfüllung „grüner“ Anforderungen durch Wirtschaftsunternehmen und öffentliche Einrichtungen folgt dem QM-Gedanken, Kundenanforderungen zu ermitteln, aufzugreifen und zu erfüllen. Die hierbei langfristig umsetzbaren Kosten- und Rentabilitätsvorteile stellen eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten her.

Grüne Beschaffung in der Privatwirtschaft

Privatwirtschaftliche Unternehmen unterliegen keinem Vergaberecht wie die öffentlichen Beschaffer und keiner generellen Verpflichtung, umweltbezogene Kriterien bei Einkauf und Beschaffung zu berücksichtigen. Natürlich bestimmen Ausnahmen auch hier die Regel.

Art und Umfang der „grünen“ Beschaffung oder sonstigen Auftragsdurchführung richten sich in der Privatwirtschaft vor allem nach den branchen- und unternehmensindividuellen Möglichkeiten, der Unternehmensphilosophie und dem Kosten-Nutzen-Verhältnis der (umweltfreundlichen) Produkte und Dienstleistungen.

Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil

Trotz fehlender obligatorischer Verpflichtung zeichnet sich dennoch ein deutlicher Trend zur Nachhaltigkeit ab, ist sie doch ein probates Mittel, um die Gunst des Kunden zu erlangen. Dies äußert sich immer häufiger in entsprechend gestalteten Imagebroschüren und aufwendigen Umweltprojekten.

Umweltorientierte Beschaffungspolitik und -strategie

Soweit ein Umweltmanagement (z.B. gemäß ISO 14001 oder EMAS – Eco-Management and Audit Scheme) implementiert ist, sind in der Regel entsprechende Vorgaben in der Beschaffungspolitik und -strategie für Einkauf und Beschaffung verankert. Hierdurch wächst die Bedeutung von Umwelt- und Nachhaltigkeitskriterien bei der Lieferantenauswahl und den konkreten Beschaffungsvorgängen.

ISO 14001

Die ISO 14001 ist eine weltweit anerkannte Umweltmanagementnorm, die auf Produktions- und Dienstleistungsunternehmen angewandt werden kann.

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Die ISO 14001 sieht vor, die Umweltleistung der gewerblichen Unternehmen und Organisationen (z.B. Behörden) in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess in Richtung der betrieblichen Umweltpolitik und -ziele zu verbessern. Dieser läuft im Rahmen eines individuellen Umweltprogramms und im Sinne des PDCA-Zyklus (Plan – Do – Check – Act) ab.

Stoffstromanalyse bildet Stoff- und Energieströme ab

Zur Beschreibung der betriebsbedingten Umweltauswirkungen wird idealerweise eine Stoffstromanalyse durchgeführt. Sie bildet die betrieblichen Stoff- und Energieströme ab und ermöglicht nachfolgend eine Optimierung der Unternehmensprozesse hinsichtlich der Abfall-, Abwasser- und Emissionsverminderung und -vermeidung.

Seit der Erstveröffentlichung der ISO 14001 im Jahr 1996 erfolgte ihre stetige Weiterentwicklung, in deren Zuge auch ihre Kompatibilität mit der DIN EN ISO 9001 erhöht werden konnte.

Die DIN EN ISO 9001 dient oftmals als allgemeine Grundlage für Einkaufs- und Beschaffungsverträge (Weiterführende Websites: www.iso.org und www.14001news.de).

EMAS: Eco-Management and Audit Scheme

EMAS steht für Eco-Management and Audit Scheme (Öko-Audit) und ist ein Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung. Die EMAS-Verordnung (EG-Öko-Audit-Verordnung) bildet die Grundlage für EMAS, das im Gegensatz zur weltweit anerkannten ISO 14001 auf die EU beschränkt ist.

Gewerbliche Unternehmen und Organisationen (z.B. Behörden), die an EMAS teilnehmen, veröffentlichen eine Umwelterklärung, in der die direkten und indirekten Auswirkungen ihrer unternehmerischen Tätigkeit auf die Umwelt, ihre Umweltleistung und Umweltziele dargestellt werden. Hierin wird der Eigenverantwortung der Wirtschaftsunternehmen eine große Bedeutung zugemessen.

Unternehmen, die an den regelmäßigen Überprüfungen durch unabhängige und staatlich überwachte Umweltgutachter teilnehmen und diese erfolgreich absolvieren, können sich in das EMAS-Register eintragen lassen und das EMAS-Logo für ihren betrieblichen Umweltschutz führen.

Herausstellungsmerkmal und Wettbewerbsvorteil

Das EMAS-Logo kann als Herausstellungsmerkmal und Wettbewerbsvorteil gegenüber den konkurrierenden Unternehmen gesehen werden und übt eine Signalwirkung auf die sensibilisierten (potenziellen) Kunden des jeweiligen Unternehmens aus.

Dies gilt vor allem dann, wenn die Umsetzung von EMAS tatsächlich hierarchieübergreifend gewollt ist und nicht „von oben“ oder von extern aufgrund der vermeintlich „positiven Außenwirkung eines Öko-Logos“ diktiert wird.

Bedarfsanalysen bestimmen über Art und Umfang von Einkauf und Beschaffung

Für die Art und den Umfang der Einkaufs- und Beschaffungsvorgänge spielen vor allem auch die Ergebnisse von Bedarfsanalysen eine Rolle. Sie entscheiden z.B. darüber, ob eine Ersatzbeschaffung durchgeführt werden sollte oder ob andere Alternativen, wie z.B. Leasing oder Gerätesharing, sowohl umwelttechnisch als auch wirtschaftlich sinnvoller sind.

Auch Umwelt- und Nachhaltigkeitskriterien müssen messbar sein

Zur Beurteilung umweltbezogener Aspekte müssen die Kriterien, die in die Beschaffungsrichtlinien des Unternehmens einfließen, messbar sein, z.B.:

  • Energie- und Wasserverbrauch
  • Wartungs- und Instandhaltungsintensität
  • CO2-Ausstoß, Lärmpegel, Erschütterung
  • Verschnitt und Abfallvolumina
  • Entsorgungskosten

Mithilfe der unternehmensindividuellen Beschaffungsrichtlinien wird auch die Grundlage für die Bewertung des wirtschaftlichsten Angebots gelegt, indem sie Kriterien für die Betriebskostenanalyse und die Gewichtung der unterschiedlichen Lebenszykluskosten der Produkte und Dienstleistungen vorgibt. Bereits bestehende Umwelt- und Energielabel können dabei als Richtschnur genutzt werden.

Sie lasen auszugsweise einen Beitrag unserer Autorin Anja Kranefeld in "Einkauf online". Praxiswissen und Fachinformationen für Einkäufer! Schauen Sie gleich mal rein und testen Sie alle Inhalte 14 Tage lang völlig kostenlos. Hier geht es zum kostenlosen Probe-Abo von "Einkauf online".